#1

Wild Coast Ultra Trail 2014

in Rennberichte 10.02.2015 22:15
von cosmopolli • 240 Beiträge

Wild Coast Ultra 2014 (ja, der Bericht kommt ziemlich genau ein Jahr nach dem Lauf :-) )

Ein sehr schöner Aspekt am Laufen ist der Austausch unter uns Läufern, sei es über das Material, die Wehwehchen oder über Events und Veranstaltungen. Oft hört man da die Frage „was war der schönste Lauf den du jemals machtest?“. So stellte ich mal diese Frage einer Frau, die geschätzt in der W50 lief, und mir davor von ihren unzähligen Ironman Teilnahmen, Adventure Races und Ultraläufen rund um den Globus erzählte. Sie war eine dieser Läufer bei der es nicht um Bestzeiten oder Prestige Finishs ging, sondern die das Laufen und Reisen verbinden. Etwas was ich auch sehr gerne mache. Ich traf sie bei der Dryland Traverse, einem dreitägigen Event in der Nähe von Oudthsoorn / Südafrika, Südafrika Besucher kenne das vielleicht wegen dem Swartberg-Pass, den Cangoo Caves oder den Straußen Farmen und Trail Magazin Leser der ersten Stunde von meinem Bericht in einer der nur als PDF erhältlichen ersten Ausgaben.
Bei meiner Frage dachte sie nur ganz kurz nach und meinte dann, der beste und schönste Lauf den sie jemals machte, fand sogar in ihrem Heimatland Südafrika statt und zwar in der Transkei an der Wild Coast. Sie redete nun von einem interessanten, familiären Lauf, keine markierte Strecke, keine Verpflegungspunkte und per Hand gestoppte Zeiten. Von Begegnungen mit dem ursprünglichen Südafrika in dem ehemaligen Homeland Transkei, ein Staatsgebiet, dass das Apartheidsregime des alten Südafrikas den Schwarzen überliess – als eine Art riesiges Ghetto – sehr wenig Infrastruktur wie Elektrizität oder Straßen – also etwas sehr ursprüngliches – ein absolutes „must do“!
Okay, ein paar Jahre später stand ich auf der Startliste des Wild Coast Ultra Trails, es war garnicht so einfach dort hin zugelangen. Denn der Veranstalter hatte gewechselt, die Homepage die bei der DUV aufgeführt wurde, bestand nicht mehr. Nur über Facebook fand ich diesen Event schließlich und konnte mich anmelden.
Im Prospekt des Laufes was an die Teilnehmer ausgegeben wurde stand folgendes:

Dear participant (soon to be friend)
we would like to welcome you to the
2014 Discovery Wild Coast Ultra
The distance ahead may seem endless, however it will be over before you can imagine.
Have fun, every step of the way and most of all – enjoy this opportunity to be running along the most spectacular coastline in the world.
Keep the sea on your left and the land on your right.

Vor dem Lauf reiste ich noch bisschen in Südafrika umher, mein fünfter Aufenthalt führt mich zu Freunden nach Johannesburg und über die Panorama Route in den Krüger Park.
Übliches Touriprogramm, aber unheimlich schön.
Zum Start des Laufes musste ich an den indischen Ozean nach East London. Von wo aus der Veranstalter einen Shuttle zum Ausgangspunkt des Laufes organisierte – die Mündung des Nahoon Rivers in East London war auch das Ziel des Laufes. Als ich am Morgen zum Meeting Point ankam, war ich etwas überrascht, dass so wenige Läufer dort waren – es waren gerade mal 18 Leute da. Seltsam dachte ich, doch sah ich in den Ergebnislisten der vergangenen Austragungen nur ca. 30 Finisher. Es soll ja eben auch etwas besonderes sein. Auf der langen Fahrt zum Startort unterhielt ich mich mit einem der Veranstalter, der meinte es würden auf der gesamten Strecke wirklich nur 18 Leute starten, es hätte einige abgesagt. Kurzfristig kamen keine neuen Leute dazu, sie hätte dafür nur eine Light-Variante erstellt, für die letzten 3 Etappen – für so eine Distanz liessen sich auf die Schnelle noch ein paar spontane Starter finden, doch wer läuft schon kurzentschlossen 270km?
Ja, das war die angesagte Distanz 270 km in 7 Tagen – zuerst ein Prolog über 20km am Startort den Umngazi River Bungalows, dann von dort immer gen Süden eine Etappe von einem schönen Resort zu dem nächsten. Die Strecke wird nicht markiert, solange wir das Meer zur Linken und das Land zur Rechten haben sind wir richtig – hört sich doch einfach an.
Als wir zum Startort kamen, bekam ich das grinsen nicht mehr aus dem Gesicht – bin ich von Etappenläufen das schlafen in Zelten gewohnt, so war das der Hammer – ein 5 Sterne Resort an einer wunderschönen Flussmündung – die Umngazi River Bungalows. Jeweils zwei Läufer bekamen einen Bungalow zugeteilt, den Nachmittag zur freien Verfügung und Abends dann Briefing. Beim Briefing wurde gesagt, dass der Prolog Morgens um 6 Uhr auf der anderen Seite des Flusses starte. So früh deshalb, weil es sehr warm werden sollte... und dies sollte für die nächsten Tage sogar noch der späteste Start sein. Nun ja, meine Kollegen zu Hause halten mich für meinte Unternehmungen in meiner Freizeit ja schon für verrückt, wenn ich denen aber erzähle, ich stehe im Urlaub immer mitten in der Nacht auf um mindestens ne Marathondistanz vor der Mittagshitze zu schaffen....
Der Prolog war dazu da, um herauszufinden wer mit wem am Besten zusammen läuft, denn auf der unmarkierten Strecke die durch eines der ärmsten Regionen Südafrikas verläuft, sollten knallbunte Trailrunner möglichst mindestens zu zweit unterwegs sein. Die Strecke dazu war deshalb recht einfach und diente nur diesem Zweck – also 10km an der Küste entlang runter um ne Fahne und dann wieder zurück. Es ging mehrheitlich über Sand und Fels, man konnte sehr nah am Meer laufen. Mit Natahlie Romeo finishte ich gemeinsam diesen kurzen Lauf und somit stand für uns fest, dass wir am nächsten Morgen gemeinsam starteten.
Die erste richtige Etappe sollte offiziell über eine Distanz von 56km gehen, teilweise läuft man bis zu 5km vom Meer entfernt, da es teilweise Steilküste und sehr dichte Wälder gibt, ist es schneller einen Umweg zu gehen oder es kann sein es ist einfach kürzer im Landesinneren. Wir starteten um 5 Uhr morgens – es ging erst ein paar Kilometer am Strand entlang, dann auf einen Trail in den Grasweiden dahinter, dann wurde es zu einem Wald und als wir aus dem Wald kamen, waren wir in einer Siedlung. Leider war es so gut wie unmöglich die schwarze Bevölkerung nach dem Weg zu fragen – sie grüssten zwar alle freundlich aber ihre Englisch war so schlecht wie mein Xhosa, was die Ureinwohner dort sprechen, die Muttersprache von Nelson Mandela. Nathalie und ich führten bis zu diesem Zeitpunkt – aber hier irrten wir ein wenig umher, die einen meinten wir sollen mehr ins Landesinnere und die anderen meinte wir sollten umdrehten – wir versuchten einen Mittelweg und versuchten uns querfeldein durchzuschlagen. Leider mussten wir immer wieder umdrehen, da die Trails an der gesamten Wild Coast hauptsächlich Pfade von Kühen sind und diese ergeben nicht immer Sinn. Oftmals führen sie einfach zum Strand oder sie führen vom Strand an ein Süsswasserloch und enden dort. Nach einer gefühlten Ewigkeit durch einen nicht endenden Wald kamen wir wieder runter zum Meer und konnten wieder am Strand laufen – was z.B. bei Flut sehr viel anstrengender ist als bei Ebbe. Denn bei Ebbe kann man den harten Sand nutzen um zu Laufen und kommt fast so schnell voran wie auf Asphalt. Bei Flut jedoch läuft man im weichen Sand und kommt nur sehr mühsam voran.
Hatten wir also die ersten Stunden geführt, konnten wir nun an den Spuren im Sand sehen, dass wir von den anderen überholt wurden.
Die Landschaft wechselte zwischen langen, natürlich sehr einsamen Stränden und Steilküsten die teilweise von mannshohem Gras bedeckt war, jedoch meist eher aussah wie eine Alm in den Alpen. Gefährliche Landtiere gibt es in diesem Teil von Südafrika kaum, von ein paar Schlangen mal abgesehen. Leider blieben wir Läufer nicht immer an Land – es gab einige Flüsse zu durchqueren und manchmal endete der Strand an einer felsigen Küste, wo wir vor der Wahl standen zurückzulaufen, zu klettern oder eben ins Wasser zu springen und ein paar Meter zu schwimmen. Ja das hier war kein gewöhnlicher Trailrun! Vor den Flussdurchquerungen hatten wir einen riesen Bammel – so erzählten uns die Veranstalter Geschichten von Hai Attacken in knietiefem Wasser, rieten uns wenn möglich immer den kürzesten Weg durch den Fluss zu nehmen und wenn vorhanden die Fähre in Anspruch zu nehmen. Die „Fähren“ waren kleine Ruderboote für 4-5 Personen – doch oftmals war der Fährmann nicht in Sicht und wir sprangen ins Wasser und versuchten so schnell wie möglich ans andere Ufer zu gelangen. Jeder Fluss bedeutete einen großer Adrenalinkick. Schon komisch, dass der Mensch vor den Haien so grosse Angst hat, denn die Gefahr im Winter in den Alpen von einer Lawine erwischt zu werden ist ungemein höher. Auf der grossen Etappe, was die erste ja war, hatte der Veranstalter zwei Verpflegungspunkte wo uns frisches Wasser, Riegel, Gels und Obst erwarteten. Nathalie und ich fanden nur einen Verpflegungspunkt – was mir zwischendurch mal beinahe eine Dehydration bescherte, zum Glück half uns eine Frau mit Trinkwasser aus.
Als wir nach 8 Stunden und 70 statt 56km im Ziel der ersten Etappe, dem Ocean View Hotel ankamen, waren wir an 5. und 6. Stelle. Mir war die Platzierung ziemlich egal, war ich doch von der Landschaft total begeistert. Ich empfand es als ein Geschenk in solch einer tollen Gegend laufen zu dürfen – so sass ich nun total geplättet vorm Hotel und schaute aufs Meer da schwamm eine riesige Gruppe von Delphinen vorbei – sowas kannte ich bisher nur ausm TV, es war einfach nur der Hammer. Nathalie war da schon etwas mehr der Wettkampftyp sie war frustriert, dass wir so gut starteten und dann so viele Orientierungsschwierigkeiten hatten und somit so schlecht da standen.
Die zweite Etappe sollte uns 42km lang zum Hotel The Haven bringen an einem der spektakulärsten Orte des Rennens vorbei – der Hole in the Wall. Hier sollte auch der Verpflegungspunkt des Tages sein. Nathalie und ich beschlossen heute mal nicht vorzupreschen um uns nicht wieder zu verlaufen, wir wollten bis zu den letzten 15km die einfach zu navigieren waren mit den anderen Laufen.
Wir starteten wieder um 5 Uhr und wir blieben erstmal eine Gruppe von 6 Leuten die vorne raus liefen, beim Hole in the Wall gab es Verpflegung und der Veranstalter machte Fotos von allen Teilnehmern vor der wunderschönen Kulisse. Dies war in etwa bei Kilometer 26 danach ging es einen sehr steilen Berg hinauf – wer vermutet dies ist ein flacher Lauf, der irrt gewaltig, ich hab keine Ahnung wieviel Höhenmeter wir in der gesamten Woche liefen, aber am ersten Tag waren es 3000. Nachdem Anstieg auf dem Plateau setzten Nathalie und ich uns ab, wie von der Tarantel gestochen gab sie Gas und feuerte mich an es ihr gleich zu tun, nach kurzer Zeit waren wir alleine, es ging am Strand entlang, ab und zu wieder weg vom Meer an eine Steilküste entlang und als erster konnten wir diese Etappe beenden. Einige Teilnehmern hatten nach der zweiten Etappe schon sehr üble Füsse. Feuchte Schuhe und dazu noch Sand darin ist nicht gut für die Füsse. Der Veranstalter riet in der Ausschreibung nach jeder Flussdurchquerung die Schuhe zu entleeren und die Füsse mit einem Handtuch zu säubern und zu trocknen. Illusorisch bei den vielen Flüssen bzw. Bächen die man zu durchqueren hatte – oder man sitzt den ganzen Tag am Boden und schnürt Schuhe. Die Veranstalter waren ein minimales Team, einer von ihnen, Liam Victor, lief den ganzen Lauf mit ausserhalb von der Wertung und das Barfuss! Wer sich an ihn hielt, konnte sich nicht verlaufen, aber auch nicht gewinnen. Dann gab es einen Arzt, Alan Leicester, er fuhr zu den VP's mit versorgte dort wenn benötigt und am Abend. Dann gab es ein Mädchen für alles – Craig Giese – er war für die VP's den Gepäcktransport usw. zuständig und dann noch der Fotograf, Craig Muller, der fantastische Aufnahmen von uns Läufern machte.
Das Briefing jeden Abend fand immer nach dem Festmahl statt, dass uns jeden Abend in einer der tollen Unterkünfte erwartete. Die Strecke wurde mit Google Earth abgeflogen und markante Punkte, wie Flüsse, Felsen oder Ortschaften wurden erläutert. Es war leider ziemlich schwer sich alles zu merken – so konnte ich mir meist nur nen Bruchteil von dem was gesagt wurde merken.
Das Ziel der dritten Etappe sollte das Mazepa Bay Hotel sein – es waren wieder 42km zu laufen. Heute hiess es für Nathalie und mich voller Angriff auf die Führung – wir rannten von Anfang an mit hohem Tempo los, denn die Streckenführung heute war, zumindestens navigationstechnisch, sehr einfach. Zu laufen war sie leider nicht sehr einfach, es war fast alles auf Sand, das Wetter war sehr seltsam – es wehte uns ein starker Wind und damit eine Gischt vom Meer ins Gesicht. Man konnte den Strand vor uns kam erkennen – es war von der Gischt alles weiss, die Kühe die überall am Strand standen schienen zu schweben – es war wirklich sehr bizarr. Interessant war, wir konnten unsere Verfolger nicht sehen und die konnten uns nicht sehen auch wenn wir nur ein paar hundert Meter auseinander waren. Es lief bestens bestens bei uns, bis auf die Tatsache, dass Nathalie die Schmerzen an ihren Füssen ignorierte bzw. später mit dem lapidaren Spruch „it's time for painkillers“ diese mit Schmerztabletten einfach wegdrückte. Wir gewann auch diese Etappe, aber als Nathalie am Nachmittag im Ziel ihre Socken auszog um Alan ihre Füsse zu zeigen, wurde mir sehr unwohl bei dem Anblick – so hatte sich an dem einen Fuß im Ballenbereich die Haut komplett abgelöst – es sah richtig übel aus. Mir war sofort klar, so kann sie nicht weiterlaufen … Seltsamerweise hatte ich als Europäer ein riesiges Glück mit meinen Füßen, ich hatte garnix. Als Mitteleuropäer der dem Winter entfloh hatte ich nur mit der Sonne zu kämpfen, gegen die UV Strahlung hatte ich nen super Sunblocker, ich wurde weder rot noch braun. Nur die Hitze, die machte mir schon sehr zu schaffen. Nach der heutigen relativ kurzen Etappe hatten wir viel Zeit um im Hotel Pool zu chillen, der lag eingebettet im üppig bepflanzten Garten dieses alten traditionsreichen Hotels. Am Nachmittag trafen auch die Läufer ein, die nur die Light Version laufen wollten – also die letzten drei Etappen bis nach East London.
Nathalie war zwar nun nicht raus ausm Rennen – aber sie konnte kaum mehr Laufen, sie entschloss sich eben die letzten 100km irgendwie durchzubeissen – ich solle dagegen mein bestes tun und das Ding gewinnen. Mittlerweile war der Ehrgeiz unter den schnelleren Läufer erwacht – wollten die doch nicht gegen die Frau und den Typen aus Deutschland verlieren. Somit erwachte in mir auch der Ehrgeiz das Ding zu gewinnen.
Uns nächstes Ziel war das Seagulls Hotel und es war eine Distanz von 36km zu bewältigen und es standen nun ein paar frische Läufer am Start. Das war recht gut für mich, ich suchte mir einen aus der in etwa mein Tempo lief und ich konnte mit ihm zusammen die Etappe zwar nicht gewinnen, aber wir finishten nach Donovan Sims – einem Mitglied des südafrikanischen Adventure Race Teams – ein extrem fitter Typ, der sicherlich auch die lange Distanz gewinnen hätte können – zum Glück lief ich nicht gegen ihn.
Bei dieser Etappe lernte ich das kennen wovor uns die Veranstalter warnten, es gibt an der Wild Coast viele Abalones, diese Seegurken werden illegal gefischt und es geht hier um Millionen, weil irgendwelche Asiaten verrückt auf dieses Zeug sind. Auf alle Fälle sprachen wir einen Schwarzen an, der an den Felsen nach irgendwas im Wasser suchte, er drehte sich um und hatte ein Messer mit 30cm langer Klinge in der Hand – er war wohl bei etwas überrascht worden – wir legten einen Zahn zu und waren weg.
Am nächsten Tag ging es bis zum Haga Haga Hotel dies war die zweitletzte Etappe und mit 32km die kürzeste, sozusagen die Erholungsetappe vorm Grande Finale.
Wieder lief ich mit dem Läufer los, der erst auf der zweiten Etappe war – Jaques Buchner. Er ist eigtl Mountain Biker und kennt die Küste von diversen Mountain Bike Rennen ganz gut – meinte er zumindest und folte trotzdem Donovan Sims der führte und der die Küste wohl nicht kannte. Leider verliefen wir uns alle und kamen bei einer grossen Flussdurchquerung hinter meinen ärgsten Konkurrenten an. Übrigens war dies wettertechnisch der beste Tag, zumindest zum Laufen – es regnete. Somit hatte ich mal nicht mit der Hitze zu kämpfen. Nachdem uns die Fähre übersetzte wollte ich keine Risiko mehr eingehn und wir liefen fast wie neutralisiert diese Etappe zu Ende. Diese hatte zwar sehr wenige Kilometer aber die Steilküste war hier extrem hoch teilweise und ich schätze wir hatten über 2000 Höhenmeter zu bewältigen.
Am Abend beim Briefing erklärten mir die Veranstalter, dass ich nur ein paar Minuten hinter den Führenden liegen würde, ich war etwas überrascht, dachte ich doch, dass ich schon führte – aber irgendwie hatte ich wohl falsch gerechnet.
Die letzte Etappe war etwas besonderes, wir liefen bis zum Start der Surfers Challenge und liefen dann gemeinsam mit ca. 3000 Startern diesen Lauf zu Ende bis zur Mündung des Nahoon Rivers in East London. Das hiess also erstmal 27km nahezu nur im Sand bis zum Start und ich sollte nicht mit meinen Kräften haushalten – denn es ging um alles. Also lief ich wie ein verrückter über den endlosen Strand – nur Don Sims war noch vor mir. Hier konnte ich soviel Vorsprung ausbauen, dass es schon vorm Start der ca. 15km langen Surfers Challenge fest stand: ich hatte den Wild Coast Ultra 2014 gewonnen!
Diese 27km waren sehr hart – denn es ging mir das Wasser aus, zum Glück waren wir schon in der Nähe von East London und die Strände waren nun teilweise von Anglern und Surfern besucht – von einem Angler kaufte ich ne eiskalte Coke – diese rettete mich. Es war dann schon sehr krass, völlig kaputt und ausgelaugt mit 3000 frischen Läufern die letzten Kilometer zu laufen. Vor dem Start kam das Fernsehen zu uns und auch ein Lokalradio was uns interviewte – es ist in Südafrika dasselbe wie hier in Europa, wenn jemand solche Distanzen läuft bekommt man von dem Interviewer irgendwie das Gefühl von Hochachtung aber auch von Misstrauen, ob noch alles klar ist im Oberstübchen, entgegengebracht.
Unsere Veranstalter hatte einen Deal mit den Veranstaltern der Surfers Challenge, so das wie 5min vor dem grossen Feld starten durften – doch nach wenigen Kilometern holten uns die ersten Läufer ein. Witzig war es dann schon am Nahoon Point einzulaufen mit tausenden anderen und bei der Siegerehrung plötzlich riesige Menschenmassen zu sehen, wo wir die letzten Tage doch sehr alleine unterwegs waren, in den Hotels am Abend waren wir meist allein oder es gab nur sehr wenige Besucher. Plötzlich waren wir wieder in der Zivilisation und unter Menschen.
Am Abend gab es noch eine kleine Feier bei einem der Veranstalter zu Hause wo ich den Pokal – eine Magnum Flasche südafrikanischen Rotweins mit dem Etikett des Laufes als Sieger überreicht bekam. Ein mit anderen Läufen verglichen geringer Preis – aber diesen Lauf macht man nicht wegen dem was einem im Ziel erwartet – nein hier ist der Weg das Ziel. Die Veranstalter übertreiben nicht, wenn sie von einer der schönsten Küstenlinien der Welt sprechen und sie übertreiben nicht, wenn sie einen als baldigen Freund ansprechen. Denn in diesen Tagen lernt man das überschaubare Starterfeld sehr gut kennen, wie man sich selbst auch ein ganzes Stück besser kennen lernt. Dieser Lauf ist wirklich ganz was besonderes, es ist kein Rennen im klassischen Sinne – zwei Etappen liefen wir, als ob wir einen Trainingslauf machten, es kommen keine Superstars, denn es fehlen Preisgelder und jeder Läufer geht das Risiko ein sich völlig zu verlaufen – es klingt so simpel, einfach am Meer entlang zu laufen. Was es sicherlich nicht ist – aber was es ist, es ist ein einfach ein wunderschöner Lauf.
Ergebnisse:


ULTRA: Umngazi to East London
39hrs45mins - Olli Eisele
40hrs31mins - Andy Wesson and Dean Barclay

42hrs20mins - Nathalie Romeo 

43hrs30mins - Desmond Bekker

47hrs30mins - Grafton Houston and Charisse Hansen 

51hrs30mins - Gilbert van Zy
l
51hrs39mins - Grant Blair

52hrs24mins - Chris du Plessis and Charmaine van der Merwe

52hrs53mins - Melanie Blair

LITE: Mazeppa Bay to East London
10hrs07mins - Don Sims
13hrs08mins - Jacques Buchner
13hrs10mins - Candy Boonzaier
13hrs56mins - John Williamson

Wer diesen Lauf machen möchte, kommt fast nicht herum einen Facebook Account zu besitzen:
https://www.facebook.com/WildCoastUltra?fref=ts
Oder DUV:
http://statistik.d-u-v.org/eventdetail.php?event=20066
oder:
http://www.runnersworld.co.za/event/disc...trail-run-2014/

Die Unterkünfte in den Etappenzielen - alleine schon deshalb lohnt sich der Lauf:
1. & 2. Nacht: http://www.umngazi.co.za
3. Nacht: http://www.oceanview.co.za
4. Nacht: http://www.havenhotel.co.za
5. Nacht: http://www.mazeppabay.co.za
6. Nacht: http://www.seagullshotel.co.za
7. Nacht: http://www.hagahagahotel.co.za

allein schon die Unterkünfte sind das Startgeld von ca. 750 Euro wert!
Dies beinhaltet neben eine Finisher Jacke, ein Teilnehmer Shirt, ein Sunvisor, eine Tasche und die allabendliche Teilnahme an Verlosungen, wo ich u.a. ein Shirt, nen Cap und ne Dose mit Getränkepulver gewann.
Der Transport zum Startort gehörr auch dazu und natürlich Frühstück und Abendessen - evtl Getränke und Zwischenmahlzeiten gehen extra - aber es gibt kaum Möglichkeiten etwas zwischendurch zu kaufen und wenn, dann ist sehr günstig. Ach ja, der Fährmann will immer bezahlt werden und dafür benötigt mal etwas Kleingeld... der kann nicht auf 100 Rand Noten rausgeben.


Übrigens nicht zu verwechseln mit dem Wildcoast Wildrun – welcher sicher auch sehr schön ist.

Nächster Termin im Februar 2016 – die 2015er Ausgabe ist gerade am Laufen – was mich dazu bewegte endlich mal einen Laufbericht zu schreiben – damit ich wenigsten wieder in Gedanken an der Wild Coast bin.










Es gibt keine Wunder - nur Training ;-)

zuletzt bearbeitet 10.02.2015 22:21 | nach oben

#2

RE: Wild Coast Ultra Trail 2014

in Rennberichte 11.02.2015 18:20
von Neckarine • 788 Beiträge

Wow! Gänsehaut-Feeling pur...was für ein Abenteuer! Danke für den Bericht Olli, das erlebnis war bestimmt sehr prägend und überwältigend und niemals vergessbar Du hast mir soeben meine Pause auf Arbeit mit Deinem Bericht versüßt

Gratulation zum Sieg!


Wer aufhört besser zu werden hat aufgehört gut zu sein (E. Mörike)

http://trailrennerei.wordpress.com/
nach oben

#3

RE: Wild Coast Ultra Trail 2014

in Rennberichte 11.02.2015 21:58
von trailshredder • 326 Beiträge

Episch!


Folgt mir auf meinem Blog: www.trailshredder.de
nach oben

#4

RE: Wild Coast Ultra Trail 2014

in Rennberichte 13.02.2015 12:04
von cosmopolli • 240 Beiträge

DANKE für Euer Feedback


Es gibt keine Wunder - nur Training ;-)
nach oben


Besucher
0 Mitglieder und 6 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: fiducia2017
Forum Statistiken
Das Forum hat 3173 Themen und 31562 Beiträge.


disconnected Foren-Chat Mitglieder Online 0
Xobor Forum Software von Xobor