#1

Großglockner (Ultra)-Trail

in Rennberichte 27.07.2015 12:40
von runbar • 17 Beiträge

Hallo zusammen!

Nachdem ich mich nun an meinem ersten 50k versucht habe, würde ich gerne meine Anfängereindrücke hier schildern. Ich hoffe sehr, dass erfahrenere Läufer (vor allem die 100k) hier auch ihre Eindrücke schildern, damit am Schluss ein rundes Bild entsteht.

Ich war mit dem Ausgabe der Startnummer, dem Ausrüstungscheck in Kaprun zufrieden. Alles ging zügig und ich war nach 5 Minuten wieder draußen. Es gab eine Plastiktüte mit Sponsorengeschenken, die mehr oder weniger sinnvoll waren. Auch die Starter (Nummernabholer) in Kals bekamen ein solche Tüte, allerdings aus Papier (es regnete beim Start!) und ich konnte beobachten, dass die Mehrheit nicht wusste, was sie mit dieser Tüte nun machen sollten. Entweder hatten sie wohl einen Partner dabei, der die Tüte mit ins Auto nahm oder sie ließen sie einfach stehen. Ich könnte mir vorstellen, dass man solche Sponsorengeschenke, dann vielleicht eher im Ziel vergibt.

Das Rennen starten für mich dann in Kals und es ging die ersten 10km wunderbar leicht bergauf mit guten Trailwegen. Nicht zu schmal, nicht zu breit. Für mich als Anfänger erwartungsgemäß.

Die erste Überraschung war dann für mich das Auftauchen der erste "Verpflegungsstation" Kalser Tauernhaus, an der es Wasser und Plastikbecher (Warum sollte ich einen Becher mitnehmen?) gab. Laut Roadbook (hohenprofil-50km) sollte diese erst nach ungefähr 12km kommen. Meine Uhr zeigte 9.5km an. Auch wäre ich fast daran vorbeigelaufen, da dort niemand stand und die Getränke etwas abseits standen. Aber ich hatte es ja gefunden und konnte mich kurz danach auch in Ruhe meiner Regenjacken und Langarmshirt entledigen, da es aufgehört hatte zu regnen.

Danach weiter Richtung Kalser Tauern. wobei in gleichem Maße, wie der Weg schmaler wurde auch die Steigung zunahm. Am Schluss waren es gefühlte über 100% Steigung, wobei das später noch übertroffen wurde. Auf der Scharte im Schnee angekommen, pfiff ein frischer Wind und ich war froh mein Langarmshirt und meine Regenjacken wieder anziehen zu können.

Danach ging es bergab Richtung Rudolfshütte zur Mittagspause. Laut Detailkarte (detailkarte-50km) nach 17,5 km, meine Uhr zeigte 18,8km, gemäß Roadbook sollten es rund 20 km sein. Wenn man bedenkt, dass die Detailkarte insgesamt "nur" 46km angibt, hatte ich gefühlt schon die Hälfte weg - das sollte sich als großer Irrtum rausstellen!

Ich persönlich fand die Verpflegung im Übrigen dort recht gut. Es gab Orangen, Bananen, die üblichen Energy-Drinks österreichischer Herkunft, Wasser, Iso, Nudel mit Fleisch und Gemüse, Kuchen. Und für mich gab es auch noch alles. Das soll sich wohl im Laufe der Zeit geändert haben. (Hier bitte ergänzen)

Nach dem Verlassen wurde es dann kurz steiler und es gab auch mehr "normale" Touristen mit denen man sich die Passagen mit (Draht-)seilen teilen musste. So direkt nach dem Essen, fand ich das aber nicht so schlimm und rennen war für mich aufgrund der Steilheit auch nicht drin.

Danach gab es einen angenehmen Weg über die Staumauer zum nächsten Checkpoint. Ah ja: Immer an den kritischen Stellen wartete ein Paar von der Bergrettung und schrieb mit Hand die Nummern der Läufer auf, die vorbeikamen. Damit keiner verloren geht. Etwas zu trinken oder essen, gab es mit Ausnahme von Traubenzucker meines Erachtens nicht.

Danach kam das für mich schwierigste Stück: Es ging recht lang in einer Linkskurve schräg den Hang entlang. Immer wieder unterbrochen von sehr steilen Anstiegen. Der Weg war teilweise nur an dem plattgetretenen Gras und den vielen Markierungen zu erkennen. An Laufen war leider für mich kaum zu denken, da meine Schuhe auf dem nassen Gras immer wieder wegrutschten. Nächstes Mal brauche ich anderes Material - eine weichere Sohle vielleicht. Mal schauen.

20 Minuten bevor ich über die vorletzte Scharte beim Kleetörl kommen sollte, meine Uhr zeigte mal wieder 2km mehr an als die Detailkarte, machten mir die Wolken langsam wieder Sorgen. Es fing an zu ziehen und ich hoffte, dass das Wetter noch halten würde. Aber leider tat es das nicht. Am Fuße des letzten Aufstiegs zur Schmiedinger Scharte (da hatte ich bereits die 2000HM, die auch auf dem offiziellen Plakat in Kals standen, nur das noch 700HM vor mir lagen) zog mit einer irren Geschwindigkeit Wolken von unten hoch, hüllte uns ein, die Temperatur fiel schlagartig und es regnete. Auch Donner war zu hören.

In dem Moment trafen wir auf die Bergrettung, die uns mitteilte, dass das Rennen offiziell abgebrochen war und wir nun mit ihnen nach unten gehen mussten. Meine Gefühlswelt wechselte dabei zwischen "sinnvoll" und "es ist doch nur noch ein Anstieg und dann wäre es für uns Kaprun gegangen". Aber bei der Vorstellung ein Stahlseil zu greifen, in das der Blitz einschlug, überredete mich zur Sinnhaftigkeit.

Die 100k-Läufer sahen das verständlicherweise anders. Diese waren seit grob 22 Stunden unterwegs, hatten rund 93km hinter sich und wollten ins Ziel laufen. Auch weil manche ihre UTMB-Punkte brauchten. (Was ist daraus geworden?)

Wir sind dann im Regen zu einer "Talstation" einer Lastenseilbahn gelaufen, haben unterwegs noch einen verirrten 100k-Läufer aufgesammelt und warteten rund 1,5 Stunden an eine Hütte gedrückt bzw. in einem leeren Kuhstall. Es kamen auch noch eine ganze Reihe weiterer Läufer (insgesamt rund 20) hinzu. Als die Ersten dann anfingen ihre Rettungsdecken auszupacken, um sich warmzuhalten, erklärte uns die nette Dame von der Bergrettung, dass es 15 Minuten den Weg runter noch eine bewirtschaftete Alm gäbe. Dort könne man auch hingehen. --- Gehts noch? Wir stehen mehr oder weniger frierend und nass rum, warten auf einen Bus, der nicht kommen wollte und weiter unten hätte man sich aufwärmen können!?

Nach ca. 5 Minuten war ich dann endlich im Warmen. Dort warteten wir dann noch 1 Stunde, da der Veranstalter den falschen Taxidienst geordert hatte und dieser keinen Schlüssel zur Schranke hatte, der die Straße zur Alm im Tal versperrte.

Aber irgendwann kamen dann Großraumtaxen und wir wurden die letzten 15 km nach Kaprun zurückgefahren. Dort bekamen wir noch Essen und konnten die Siegerehrung anschauen. Ich bin lieber aber erst mal heiß duschen gegangen.

Meine Fazit: TOLL!

Leider bin ich nicht ins Ziel gelaufen, daher muss ich nächstes Jahr wieder hin. Allerdings sollte man das dann eher als Berg- und Kletterlauf bezeichnen oder so. Trailrunning hätte ich anders erwartet. Sportler mit mehr Erfahrungen in unterschiedlichen Läufen (von Berg bis Wüste war alles dabei), bestätigten diesen Eindruck.

Und meine Lehre bzw. was ich anders machen werde:
1. Viel mehr(!) richtig steile(!) Steigungen laufen. (So viel HM pro Woche machen, wie das Rennen hat bzw. einen passenderen Trainingsplan suchen)
2. Meine Handy wasserdicht einpacken.
3. Ebenso die anderen Klamotten, die ich dabei hatte.
4. Keine Gels mehr mitnehmen. Die ess ich eigentlich nicht.
5. Eine richtige Regenhose mitnehmen.
6. Vorher noch einen von den "normalen" Wettbewerben machen, die mir die anderen empfohlen haben.
7. Sich nicht zu 100% auf die Angaben des Veranstalters verlassen (46km Detailkarte, 50km laute Name, 55km gemäß Höhenprofil), sondern irgendwie versuchen, es selbst nachzumessen - damit meine ich auch die Höhenangaben (2000HM oder 2500HM)

Hier noch ein paar Eindrücke und Ergebnisse: Dolomitenstadt.at

Ingo


zuletzt bearbeitet 27.07.2015 12:51 | nach oben

#2

RE: Großglockner (Ultra)-Trail

in Rennberichte 02.08.2015 17:19
von Ultra-Habicht • 9 Beiträge

Hey Ingo,

V-Punkt am Kalser Tauernhaus war privat und deshalb nicht registriert. Handy wasserdicht verpackt... so was lernt man mit der Zeit, eine regendichte Hose macht in den Bergen immer Sinn...

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#3

Rodeo am Glockner... mein Bericht

in Rennberichte 02.08.2015 17:20
von Ultra-Habicht • 9 Beiträge

Hier mein Bericht von der 110k-Distanz:
http://www.laufkultur.de/contentn%202015/ggut1501.html

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