#1

Zugspitzlauf 2008

in Rennberichte 22.11.2015 17:25
von H-M • 55 Beiträge

Hallo, ich bin gerade auf diesen Artikel in der Zeit gestoßen
http://www.zeit.de/2008/30/Zugspitzlauf

Ich bin als Anfänger und Flachlandläufer total geschockt!
Ist sowas heute noch möglich, oder haben ALLE (Veranstalter und Teilnehmer) daraus gelernt, so dass eine Tragödie sich nicht mehr wiederholt?
War 2008 eine sowas von andere Zeit und ging man mit dem Thema Sicherheit und Verantwortung anders um?
Gibt es hier im Forum Zeitzeugen?


Nicht die Umstände bestimmen unser Leben, sondern wir bestimmen die Umstände.... Johann Wolfgang von Goethe
nach oben

#2

RE: Zugspitzlauf 2008

in Rennberichte 22.11.2015 17:44
von Jamboree3005 • 272 Beiträge

Ich war damals noch kein Trailläufer, nicht einmal Läufer, aber das ging ziemlich durch jede Presse.

Ich denke -und hoffe- die Veranstalter haben hierraus ihre Lehren gezogen. Obwohl dem Hörensagen nach die Pflichtausrüstung wohl immer noch nicht wirklich kontrolliert wird (und damit meine ich nicht nur den Zugspitzlauf).

Grüße
Jamboree


It's all about the gear!
http://trailgierig.wordpress.com
nach oben

#3

RE: Zugspitzlauf 2008

in Rennberichte 22.11.2015 18:01
von sebbi • 25 Beiträge

Die Regeln in Bezug auf Pflichtausrüstung wurden in den letzten Jahren ganz offensichtlich verschärft, nicht nur wegen Zugspitzlauf 2008. Für Veranstalter wird es doch immer schwerer, den Kopf außerhalb der Schlinge zu halten. Ist aber nicht nur ein Phänomen des Sports, denke ich.

Die Frage, ob hier die Veranstalter umgedacht haben, ist für mich immer noch zweitrangig.

Die Teilnehmer sollten einfach weitestgehend selbst verantwortlich bleiben. Für mich ist das ein Teil unseres Sports, zu entscheiden, was ich da draußen brauche, und was nicht.

Ich wünsche mir da ein Höchstmaß an Eigenverantwortung.

Die Pflicht der Veranstalter sehe ich darin, auf die möglichen Gefahren hinzuweisen und Vorbereitungsempfehlungen zu geben.

Gruß Seb.


http://www.muehelos-laufen.de

zuletzt bearbeitet 22.11.2015 18:02 | nach oben

#4

RE: Zugspitzlauf 2008

in Rennberichte 22.11.2015 19:12
von Rupi • 1.025 Beiträge

Ich weiß nicht wies früher war, aber jetzt lässt dich der Veranstalter bei fast jeder Trailveranstaltung einen Haftungsausschuss unterschreiben, der kurz gesagt meint: "Selber schuld wenn dir was passiert, wir haben unser möglichstes getan."

Der Veranstalter wurde übrigends in dem Fall freigesprochen.

Einige Leute erzählen dass die beiden verstorbenen, ihre "Schlechtwetterausrüstung" anscheinend kurz nach dem Start entsorgt haben.


Zitat von sebbi im Beitrag #3

Die Teilnehmer sollten einfach weitestgehend selbst verantwortlich bleiben. Für mich ist das ein Teil unseres Sports, zu entscheiden, was ich da draußen brauche, und was nicht.

Ich wünsche mir da ein Höchstmaß an Eigenverantwortung.

Die Pflicht der Veranstalter sehe ich darin, auf die möglichen Gefahren hinzuweisen und Vorbereitungsempfehlungen zu geben.



Dem stimme ich vollkommen zu.


agressive Downhillsau
©Gripmaster


Running is my Church.

zuletzt bearbeitet 22.11.2015 19:12 | nach oben

#5

RE: Zugspitzlauf 2008

in Rennberichte 23.11.2015 08:21
von fiveten • 776 Beiträge

Ja, das war damals ein Riesendrama und wurde viel diskutiert. Aber, so schlimm solche Tragödie auch ist, ein paar Euro Startgeld entbinden nicht von der Pflicht eigenverantwortlich zu handeln. Jeder, der sich auf solche hochalpinen Unternehmungen einlässt, muss sich der Herausforderung und den Gefahren bewußt sein und die Ausrüstung danach zusammenstellen.
Der Veranstalter ist rechtlich schon aus der Verantwortung genommen worden, aber ich bin hier auch der Meinung, dass es bei Großverantaltungen nur stichprobenartige Kontrollen nach der Pflichtausrüstung geben kann - alles andere wäre logistisch nicht zu bewältigen.
Auch wenn es zynisch klingen mag, sollte man nicht vergessen, dass es fast bei jeder Marathon-Großveranstaltung zu einem oder mehreren bedrohlichen Zwischenfällen kommt. Bislang ist mir noch keine Bericht bekannt, in der der Veranstalter oder sein Verhalten/Organisation in solch einem Fall dafür verantwortlich (geschweige denn, darüber diskutiert wurde) gemacht wurde....


Spontanität muss sorgfältig geplant werden!?
nach oben

#6

RE: Zugspitzlauf 2008

in Rennberichte 23.11.2015 12:02
von bababasti • 474 Beiträge

Zitat von H-M im Beitrag #1
..., oder haben ALLE (Veranstalter und Teilnehmer) daraus gelernt, so dass eine Tragödie sich nicht mehr wiederholt?

Das ist wohl die Frage - die Veranstalter schreiben ja prinzipiell eine Pflichtausrüstung vor - wer die dann am nächsten Tag am Start noch im Rucksack hat, ist eine andere Sache.


wen's interessiert: http://skibikehike.blogspot.com ;)
nach oben

#7

RE: Zugspitzlauf 2008

in Rennberichte 23.11.2015 12:18
von Skeet • 64 Beiträge

Also ich bin beim Zugspitzlauf 2014 mitgelaufen. Das wurde damals zum ersten Mal von "Plan-B" organisiert. Das Wetter war bescheiden. Der Veranstalter hat daraufhin das Ziel verkürzt. Außerdem durfte man ab der letzten Verpflegungsstation nur noch weiterlaufen, wenn jegliche Körperstellen bedeckt waren. Ich denke daher schon dass die Veranstalter sehr wohl daraus gelernt haben. Bei den Teilnehmern bin ich mir nicht so ganz sicher. Grundsätzlich nimmt sich vermutlich jeder Teilnehmer vor einem Rennen vor, Risiken zu vermeiden. Wie aber jeder Mensch individuell reagiert, wenn er im Adrenalintunnel steckt wissen wir ja ..... Ich persönlich denke dass ich sehr vorsichtig bei solchen Läufen bin und lieber mehr als zu wenig Kleidung/Ausrüstung mitnehme, da kann ich aber sicher nicht für alle sprechen. Aber selbst mit viel Ausrüstung kann es im Hochgebirge immer dazu kommen, dass ein Wetterumschwung kommt und es damit lebensgefährlich wird. Ausschließen kann man so eine Tragödie daher aus meiner Sicht leider nicht.

nach oben

#8

RE: Zugspitzlauf 2008

in Rennberichte 23.11.2015 12:59
von bayerlaender • 140 Beiträge

"Aber selbst mit viel Ausrüstung kann es im Hochgebirge immer dazu kommen, dass ein Wetterumschwung kommt und es damit lebensgefährlich wird." Dem Wetter ist es ziemlich egal, was jemand dabei hat oder nicht. Genauso wie die Lawine nicht weiß, ob der Skifahrer erfahren oder nicht ist.... Ich weiß, du hast es anders gemeint.
Ein Wetterumschwung kann zwar schnell kommen, aber so ganz überraschend auch nicht. Zumindest nicht die nächsten paar Stunden. Ich bin 2013 mitgelaufen, das letzte Mal mit Getgoing als Veranstalter. Wetter war top, nur leider lag soviel Schnee oben, dass auch an der Liftstation Schluss war. Ich bin mit mit kurzen Hosen und Windjacke um die Hüfte gebunden gelaufen, ohne Trinkflasche, nur 3 Gels. Mir war klar, dass ich max. 3 h brauche und in der Zeit kein Wettersturz kommt. Anderen war das offensichtlich nicht klar, wenn ich mich so an die Rucksäcke teilweise erinnere. Man kann nicht nur zu zu wenig, sondern auch zu viel dabei haben, was einen langsam macht. Ich kann mich an keine Ausrüstungskontrolle erinnern. Vorher gabs wohl einen Zettel zum Unterschreiben. Ich plädiere auch für größtmögliche Eigenverantwortung. Den Wetterbericht sollte man schon lesen und auch interpretieren können, wenn man in solch einer Umgebung unterwegs ist. Die Veranstalter sollten aber auch nicht bei der ersten Schneeflocke sofort die Strecke ändern, gleichzeitig aber eine Pflichtausrüstung verlangen, die für solche Verhältnisse notwendig ist.

nach oben

#9

RE: Zugspitzlauf 2008

in Rennberichte 23.11.2015 13:52
von zwiebacksäge • 435 Beiträge

ich schließe mich voll und ganz dem bisher schon Gesagten in Richtung Eigenverantwortung an aber gaube auch, daß einige Teilnehmer einfach überhaupt keine Ahnung haben auf was sie sich eigentlich einlassen.
Waren früher wohl mal die Marathons or Ironmans, die man glaubte bewälting zu müssen um ein echter Mann (oder Frau) zu sein so denke ich zieht es leider viele dieser Kathegorie zu den Ultras.
In letzter Konsequenz, wenn man tatsächlich mögliches Ungemach weitgehend vermeiden will wirds wohl auf eine Qualifikation für solche Events hinauslaufen. Das will sicherlich keiner hier aber es schein offenbar notwendig um einige weinige vor sich selbst zu schützen. Ich hoffe jedoch, daß Veranstalter sich nicht dazu gedrängt fühlen.

nach oben

#10

RE: Zugspitzlauf 2008

in Rennberichte 23.11.2015 15:12
von Wonnemond • 109 Beiträge

"War 2008 eine sowas von andere Zeit und ging man mit dem Thema Sicherheit und Verantwortung anders um?"

Ja, die Zeit war eine andere. Bei diesem Event 2008 nahmen vor allem Bergläufer teil, und die sind bekannt dafür, dass sie minimalistisch unterwegs sind. Wer schon mal bei den Deutschen Berglaufmeisterschaften" am Hochfelln dabei war, der weiß, was ich meine: Mehr als eine Laufshorts und ein leichtes Hemdchen habe die nicht an, selbst dann, wenn es kühl bis kalt ist.

Beim letzten Event des früheren Veranstalters getgoing am 7.7.13 war ich dabei. Teilnehmerlimit war ca. 1000, und die Plätze gingen weg wie warme Semmeln. Der Wetterbericht nannte für oben Temperaturen um die 4 Grad, Regen und Wind. Und wieder: Geschätzt ein Drittel der TN lief los mit dünnem Trägerhemd und Shorts und vielleicht noch eine kleine Flasche in der Hand.

Aber seht selbst.

Hier Bilder vom Start: (Fotos sind für

http://www.laufpix.de/fotos/143/2013/zugspitzlauf_start

Und hier kurz vorm Ziel

http://www.laufpix.de/fotos/144/2013/zug..._extremberglauf


Und warum machen Bergläufer das?
Diese Frage darf gerne ein Bergläufer beantworten, wenn einer hier mitlesen sollte.


http://trinkguertel.shop-muehlbauer.de/b...nner/index.html
Winterstürme wichen dem Wonnemond (Richard Wagner)

zuletzt bearbeitet 23.11.2015 15:16 | nach oben

#11

RE: Zugspitzlauf 2008

in Rennberichte 23.11.2015 15:37
von Ljus • 116 Beiträge

Bin zwar kein reiner Bergläufer, aber bin auch einer der so wenig wie möglich mitnimmt und an hat bei einem reinen Berglauf.
Hat zwei Gründe: erstens machen mir niedrige und evtl feuchte Temp. wenig bis gar nichts aus wenn ich in Bewegung bin und zweitens habe ich es immer so organisiert das oben warme und trockene Kleidung war.
Zugspitze bin ich noch nicht gelaufen. aber andere Events gelaufen und gefahren (Glocknerkönig).

nach oben

#12

RE: Zugspitzlauf 2008

in Rennberichte 23.11.2015 16:01
von bayerlaender • 140 Beiträge

Zitat: "Der Wetterbericht nannte für oben Temperaturen um die 4 Grad, Regen und Wind." Das stimmt meines Wissens so nicht, zumindest nicht mit Regen und Wind. Der Wetterbericht für vormittags hat das vorhergesagt, was man auf den Bildern sieht. Ich habe mal im Archiv gesucht: "Heute erwärmt sich die Luft auf den Bergen auf 8 bis 17 Grad und kühlt in der folgenden Nacht auf 10 bis 4 Grad ab. Dazu ist es vielerorts heiter bis wolkig, gebietsweise treten auch gewittrige Schauer auf, und der Wind weht schwach, in Böen mäßig aus östlichen Richtungen." Aufgrund der relativ hohen Temperaturen war der Schnee auch recht sulzig. Eben wegen der in den Tagen vorher schon so angesagten Wetterbedingungen haben auch relativ viele nachgemeldet. Auch ich bin, wie oben schon geschrieben, im Shirt und mit kurzer Hose gelaufen. Windjacke hatte ich dabei. Eine Trinkflasche nicht. Warum auch, wenn alle 5 Km eine Verpflegungsstelle ist. Ich bin seit weit über 20 Jahren in den Bergen unterwegs in diversen alpinen Spielformen, Sommer wie Winter. Ich denke, ich weiss was ich tue. 2008 waren dieselben Verhältnisse wie dieses Jahr beim ZUT. Im Tal vielleicht 6°C mit Regen und Wind. Wie das oben dann ausschaut, sollte sich jeder denken können, der am Start steht. 2008 haben das offensichtlich einige nicht getan. 2013 war aber vollkommen anders.

nach oben

#13

RE: Zugspitzlauf 2008

in Rennberichte 23.11.2015 16:29
von Wonnemond • 109 Beiträge

Servus bayerlaender,

Dieser Lauf war mein 2. Berglauf überhaupt. Davor nur auf den Wallberg. Du wirst verstehen, dass ich ganz schön die Hos'n voll hatte. Entsprechend habe ich mich vorbereitet. Was den Wetterbericht betrifft, da habe ich diesen hier genutzt:

http://www.skiresort.de/skigebiet/zugspitze/wetter/

Ich weiß also schon, was ich damals gelesen hatte. Vielleicht gibt es ja auch hier eine Historie.

Was die Nachmeldungen betrifft: Teilnehmerlimit war, wenn ich mich richtig erinnere 1000. Da es aber aufgrund des Schnees und Eis in der Wand nur bis Sonnalpin ging, hat man noch weitere 200 laufen lassen.

Nachtrag: In dem Buch "Einfach laufen", dass ich durchaus empfehlen kann, kommt der Autor bei einem Zugspitz-Extremberglauf, (ja, so hieß das Ding) mit jemanden ins Gespräch, der 2008 dabei war und anschaulich u. a. beschreibt, wie es dort oben im Fels ohne Handschuhe am Drahtseil so zuging.

http://www.amazon.de/Einfach-laufen-Form...=einfach+laufen


http://trinkguertel.shop-muehlbauer.de/b...nner/index.html
Winterstürme wichen dem Wonnemond (Richard Wagner)

zuletzt bearbeitet 23.11.2015 16:37 | nach oben

#14

RE: Zugspitzlauf 2008

in Rennberichte 23.11.2015 16:49
von bayerlaender • 140 Beiträge

Ich hatte bestimmt den DAV Wetterbericht und morgens irgendeinen lokalen Radiosender. Schon richtig, es waren evtl. lokale Regenschauer angesagt. Meine Abschätzung am Start war, dass in den nächsten ca. 3h garantiert keine Regenschauer kommen. Ich glaube, es hat den ganzen Tag keine Schauer gegeben.
Ich kann mir das lebhaft vorstellen (auch wenn ich mich frage, warum man da das Drahtseil anfassen muss). Man muss nur mal auf einer Skitour bei heftigen Wind und Schnee auf dem Gipfel die Felle mit bloßen Händen abmachen und verstauen.


zuletzt bearbeitet 23.11.2015 16:51 | nach oben

#15

RE: Zugspitzlauf 2008

in Rennberichte 23.11.2015 17:31
von H-M • 55 Beiträge

Danke für die ausführlichen Meinungen und weitere Infos zu dem Tragiklauf.
Ich kann mir nicht vorstellen in Shirt und kurzer Hose da hoch zu laufen. Die Bilder am Ziel finde ich krass, da wo Schnee liegt sind die Bodentemperaturen doch um die 0°. Was machen die Sportler wenn sie sich nicht mehr stark bewegen können (Fuß umgeknickt). Sehr schnell kühlt der Körper aus und man kommt in eine kritische Situation und man ist auf Hilfe Dritter angewiesen. Ob mit oder ohne Rucksack, ich glaube die Laufdauer ändert sich nicht so viel, von daher kann ich die Minimalisten nicht verstehen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Bergläufer und einem Trailläufer, beide laufen doch den Berg hoch.


Nicht die Umstände bestimmen unser Leben, sondern wir bestimmen die Umstände.... Johann Wolfgang von Goethe
nach oben


Besucher
0 Mitglieder und 5 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: torres
Forum Statistiken
Das Forum hat 3259 Themen und 32114 Beiträge.


disconnected Foren-Chat Mitglieder Online 0
Xobor Forum Software von Xobor