#1

Madeira Island Ultratrail

in Rennberichte 12.06.2012 12:38
von Trailrunning-Rocks • 201 Beiträge

Stolz darf ich an dieser Stelle schreiben. Ja ich hab es geschafft.
102km mit 6.100Hm...
bei extrem anspruchsvollen Singeltrails...
extrem steilen Anstiegen (beim TAR gabs sollche Anstiege nicht)...
Temperaturen von empfindlich kalt bis schweine heiß und...
gefühlten 5000 Treppenstufen...
bin ich nach 19h und 37min ins Ziel und im vorderen Drittel gelandet.

Es war hart. 40% DNF.

Der Lauf, die Insel und die Orga ist erste Klasse.
Für den Startpreis bekommt man richtig viel geboten und tolle Geschenke.

Ein ausführlicher Bericht wird noch geschrieben...


Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.
(Johann Wolfgang von Goethe)

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#2

RE: Madeira Island Ultratrail

in Rennberichte 12.06.2012 13:16
von Trailmaxe • 3 Beiträge

Glückwunsch , tolle Leistung, gerade wenn man die letzten Wochen mit deiner Verletzungsgeschichte kennt,
freue mich schon auf deinen ausführlichen Bericht

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#3

RE: Madeira Island Ultratrail

in Rennberichte 12.06.2012 13:25
von Mauki • 1.292 Beiträge

Hab deinen Bericht schon auf Facebook gelesen. Klasse

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#4

RE: Madeira Island Ultratrail

in Rennberichte 12.06.2012 14:17
von Spin67 • 75 Beiträge

Herzlichen Glückwunsch zu deiner super Leistung und vor allem bei der Verletzung so kurz vorher!

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#5

RE: Madeira Island Ultratrail

in Rennberichte 13.06.2012 07:49
von TriTo • 1.288 Beiträge

Dito! :-)

Keep on!


...nice to read you...

Greetz TriTo

....life's a trail!

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#6

RE: Madeira Island Ultratrail

in Rennberichte 13.06.2012 20:37
von Trailrunning-Rocks • 201 Beiträge

Der Bericht mit Bildern:
http://transalpinrun-metalhead.blogspot....-2012-miut.html

und hier:
Vorweg, ich habe den Madeira Island Ultratrail (MIUT) 2012 in 19h 37min gemeistert.

Aber alles schön der Reihe nach:

Erst mal die Zahlen, Daten und Fakten:
Vertikal 101,5 km
Horizontal 6.100 Hm im Auf- und im Abstieg
Zeitlimit 26 h
Gestartet sind 98 Läufer
Finishen konnten 61 Läufer
Die Ausfallquote ist mit fast 40 % extrem hoch.

Start um 0:00 Uhr in Machico
Ziel Porto Moniz

Meine Ausrüstung:
(*Pflichtausrüstung)
• Schuhe: Salomon XA Pro 5
• Socken: X-Socks
o Kompressions-Calfs
• Shorts: Asics Trailrunner 2in1
• Shirt: T-Shirt Thoni Mara
• Armlinge von Ink’N’Burn
• Kopfbedeckung: Buff und Salomon XA Cap
• *Rucksack: Inov-8 mit 2l Trinkblase
• *Stirnlampe: Lupine Pico x und als Pflichtersatz die kleine LED Lenser
• *rotes Rücklicht
• *Regenjacke: Montane Minimus
• *Verpflegung: Gels und Natural-Riegel von Powerbar: Salz, Magnesium und Ultar Buffer Pulver
• MP-3 Player mit viel guter schneller Musik
• *Erste-Hilfe Kit (Verband*, Pflaster*, Magen-, Durchfalltabletten, Rettungsdecke*)
• Lange Laufhose
• Stöcke
• *Trinkbecher

Im Drop-Off Bag (das bei km 59 deponiert wurde):
• T-Shirt
• Langarm-Shirt
• Weitere Gels und Riegel
• Hirschtalg
• Voltaren Creme
• Socken
• Schuhe (Salomon Speedcross 3)
Davon habe ich nur die Gels und Riegel benötigt.



Mittwoch:
Los ging es für mich bereits am Mittwoch von Düsseldorf über Lissabon nach Funchal. Ich bin ja schon oft geflogen, aber noch nie mit Umstieg. Da ich dem System etwas misstrauisch gegenüber stand, packte ich alle wichtigen Sachen fürs Laufen, außer natürlich die Stöcke, in mein Handgepäck, Meine Laufschuhe zog ich direkt an.
Blödsinn, meint jetzt der eine oder andere, so dachte ich bei Ankunft in Madeira auch. Es hatte alles geklappt. Jetzt, wo ich gerade auf dem Rückflug warte und sehe, dass es sich so derart verspätet und ich dann irgendwie einen Anschlussflug bekommen muss, würde ich das immer wieder so machen. Wäre doch nur doof, wenn man nur wegen seiner fehlenden Laufsachen nicht starten kann. Vorort nachkaufen wäre nicht möglich gewesen.
Der Organisator hatte für die Teilnehmer günstigere Preise in den Hotels in Porto Moniz vereinbart. Da ich sehr spät dran war mit meiner Buchung und das Hotel Euro Moniz das erste war, was geantwortet hatte, nahm ich dieses. Für 35 € inklusive Frühstücksbuffet eine super Wahl. Das Hotel bietet guten, sauberen Komfort, ein gutes Frühstück, gratis Wlan (im Foyer und Bar), Schwimmbad und hat eine Panorama Bar, wo man günstig Getränke bekommt (1,30 € für 0,3 l Bier). Zu essen gibt es allerdings nur Toast und Sandwichs. Aber der Ausblick aufs Meer ist einmalig. Den Transfer von und zum Flughafen habe ich auch über das Hotel gebucht (zusammen 70 €).

Donnerstag (Startunterlagen)
Nach dem Frühstück packte ich meinen Rucksack und erkundete den Ort. Okay, das war schnell erledigt, ein kleiner Ort, der aber alles bietet, was man braucht: Einen kleinen Supermarkt, bei uns würde es Tante-Emma-Laden heißen, Bars, Restaurants und, wofür der Ort berühmt ist, die Meeresschwimmbecken.
Zum Mittag hin nahm ich einen kleinen schönen Singletrail rauf auf den Berg. Dieser Anstieg von etwa 500 Hm trieb mir dermaßen den Schweiß ins Gesicht, dass ich echt Angst vor dem Lauf bekam. Aber ich beruhigte mich damit, dass ich wohl zur größten Hitze in den vermutlich kühleren Bergen seien würde.
Ab 15 Uhr öffnete das Organisationsbüro (große Gebäude am Kreisverkehr) und ich machte mich mit der Pflichtausrüstung auf den Weg.
Ein wichtiger Hinweis für alle, die diesen Lauf mal machen wollen:
Ihr müsst die gesamte vorgeschrieben Ausrüstung zur Abholung der Startunterlagen mitbringen. Diese wird dann bei jedem einzelnen gecheckt. Fehlt etwas, bekommt man keine Startnummer. Das Pfand für den Chip (bei mir 30 €) muss man PASSEND dabei haben. Ausweis nicht vergessen.
Durch diesen gründlichen Check bei jedem Läufer nahm das schon etwas mehr Zeit in Anspruch. Aber ich hatte ja Zeit und damit auch die Gelegenheit, mich mit einigen Läufern auszutauschen.
Zusammen mit den Startunterlagen bekam jeder ein Funktions-T-Shirt, eine Salomon XA Cap, eine kleine Flasche Madeira-Wein und noch ein paar kleine Souvenirs.
Die Zeitmessung erfolgte mittels Chip von SportIdent. BILD Chip Diese trägt man normalerweise am Finger. Man sollte ihn auf jeden Fall gut befestigen, aber so dass man ihn leicht bei den vielen Checkpoints in den Kasten stecken kann. Ich habe ihn das ganze Rennen am linken Mittelfinger getragen.
Abends fand dann ein Vortrag von zwei Profi-Trailrunnern statt. Leider auf Portugisisch. Also zog ich es vor, Fisch essen zu gehen.

Freitag
Der Plan: Irgendwie die Zeit bis zum Briefing um 17Uhr mit relaxen, vielleicht etwas schlafen zu nutzen. Nach dem Briefing bleiben ja noch mal ca. vier Stunden bis zum Abfahrt der Busse von Porto Moniz zum Start. Abfahrt 21:30 Uhr.
Ein kleines Bad in den Meeresbecken und etwas lesen. Schade ist nur, dass man bei den Meeresbecken auf dem Beton liegen muss.
Das Briefing wurde in Portugiesisch und Englisch abgehalten, wobei die Ausführungen in Englisch nur halb so lang waren. Wahrscheinlich nutzen die Portugiesen mehr Wörter. Das wichtigste kam aber rüber. Danach ab ins Hotel und versuchen, noch was zu schlafen.
Die Busse fuhren pünktlich Richtung Start, wo wir dann bereits gegen 23 Uhr ankamen. Da die Busse nicht direkt in die Stadt und somit zum Start fahren konnten, hieß es, mit allen Sachen, auch dem Drop-off-Bag einmal durch die Stadt zu laufen. Das Bild hätte jeden zum Lachen gebracht.
Da wandert eine Truppe von 100 Läufern in ihrer bunten Laufkleidung mit Rucksäcken und Mülltüten (Drop-off-Bag) bewaffnet durch die Innenstadt von Machico, mitten durch einen historischen Jahrmarkt.
Am Start gab es dann die Möglichkeit, seine Sachen zu sortieren, Wasser zu trinken und seinen Adrenalinspiegel hoch zu puschen.

Start
Pünktlich um 0 Uhr erfolgte der Start. Und es ging auch direkt aus der Stadt die Straße bergauf und dann sofort über einen kleinen Singletrail ein Feld steil rauf. Danach folgte ein angenehmes Auf und Ab an Levadas entlang. Das sind die zum Teil uralten Bewässerungskanäle, die sich über die ganze Insel ziehen,
Danach erfolgte der erste steile und längere Anstieg zum ersten Checkpoint mit Verpflegung Bei jedem Checkpoint musste man die Startnummer vorzeigen und den Chip in das Lesegerät stecken. Es wird großen Wert darauf gelegt, dass jeder Läufer die Startnummer nach vorne trägt. Ich wurde mehrmals ermahnt, weil ich die immer nach hinten gedreht hatte.
Mit jedem Höhenmeter wurde es deutlich kühler. Am Start war es ja noch angenehm mit T-Shirt und ohne Kopfbedeckung. Aber jetzt mussten die Armlinge und das Buff her.
Durch die ersten Anstiege hatte sich das kleine Läuferfeld so weit auseinander gezogen, das ich bereits nach ca. 2 h alleine durch die Dunkelheit marschierte. Die Wegemarkierung war aber absolut super. Flatterband, das mit reflektierenden Bändern bestückt war, zudem gab es Tafeln mit roten Blinklichtern, wenn sich die Richtung unerwartet änderte. Zusätzlich wurde auch, wenn es keinen Abzweig gab, immer wieder eine Markierung auf gehangen, damit man definitiv wusste, dass man richtig ist.
Jetzt kam der erste etwas demotivierende Punkt. Es war windig, kalt, dunkel und ich war ganz alleine; als ich dachte, den Anstieg auf den Berg geschafft zu haben, sah ich ziemlich weit oben die roten Blinklichter von anderen Läufern. Das erinnerte mich an eine Passage aus dem Buch von Normen Bücher, bei dem er eine ähnliche Situation beim UTMB beschreibt.
Oben angekommen gab es Suppe, Kaffee, Tee und alles möglich an fester Nahrung. Alles in einer kleinen Hütte serviert. Hier nahm ich mir die Zeit, um mich gut zu versorgen. Ich war jetzt über 5 h unterwegs und musste endlich mal frühstücken.
Nach dem Verpflegungspunkt traf ich auf eine Dreiergruppe von Portugiesen, die genau mein Tempo hatten, so sollten wir die nächsten Stunden zusammen verbringen. Immer wieder im Wechsel zogen wir uns die Anstiege rauf und traten uns bergab in die Fersen.
Pünktlich zum Sonnenaufgang befand ich mich dann auf dem höchsten Punkt der Insel auf 1.862m.
Der Ausblick und die Stimmung waren gigantisch. Richtung Meer war eine geschlossene Wolkendecke zu sehen, auf der die Sonne schwamm und die Berge wie kleine Felsen in einer Brandung aus den Wolken stachen. Mitten drin wir, die kunterbunten Trailläufer mit ihren Stirnlampen und den roten Blinklichtern.
Jetzt kam einer der schönsten Abschnitte. Eine Art Natursteinweg mit den unzähligen Treppen schlängelte sich immer auf dem Gipfelpass entlang. Immer wieder ging es über steile ungleichmäßige Steintreppen rauf und runter. Treppenbauen ist bestimmt auf Madeira erfunden wurden. Rechts und links gab es wunderschöne Ausblicke auf die steilen grünen Hänge und das Meer. Jetzt mit dem Sonnenaufgang gingen auch langsam die Temperaturen nach oben.
Jetzt ging es downhill auf sehr kleinen Wegen, die wieder teilweise mit Treppen bestückt waren. Zack, einmal nicht aufgepasst und bei ca. km 55 einen Stein übersehen, nach vorne auf die Knie gestürzt und etwas den Hang an der Seite runter. Zum Glück konnte ich mich an dem hohen Gras festhalten, und bin nur einen Meter abgerutscht. Wäre dieser Sturz einige Meter weiter passiert, wäre es steil hinabgegangen. Der Schreck war groß, aber es waren auch nur Schrammen.
Bei dem ersten langen Downhill wurde ich mehrmals von andern Läufern so schnell überholt, dass ich dachte, ich wäre eine Schnecke. Nach noch ein paar mehr von diesen flotteren Läufern stellt ich fest, dass es sich dabei um die 55-km-Läufer handelte, die gerade erst gestartet waren. Ich hatte also schon einige Stunden mehr in den Beinen – kein Schnecken-Gedanke mehr.
Mit der schwindenden Höhe kam die Hitze.
Uff - endlich erreichte ich, auf der Hälfte des Abstieges, den Kilometerpunkt 59. Dies bedeutet etwas mehr als die km-mäßige Hälfte und fast genau die Hälfte der Höhenmeter hatte ich geschafft. Jetzt das Ganze noch mal, aber mit mehr Sonne und viel höheren Temperaturen. Die nette Frau vom Sani-Dienst bekam einen Schrecken, als sie mich sah und kam schon mir schon mit dem Verbandszeug entgegen. Meine Knie waren blutverschmiert und sahen schlimm aus. Ich konnte sie und auch mich beruhigen. Durch den Schweiß hatte sich das Blut auf der ganzen Kniescheibe verteilt, was sie anfangs nicht sehen konnte: darunter waren nur Kratzer.
Hier an diesem Verpflegungspunkt konnte man sein Drop-off-Bag bekommen und es standen sogar Zelte mit Bänken bereit, in denen man sich umziehen konnte - was für ein Luxus. Ich packte jetzt nur die lange Hose aus und ein paar Gels ein. Da der größten Teil meines Gepäcks die Pflichtausrüstung war, konnte ich kein weiteres Gewicht einsparen.
Nachdem ich mich ordentlich verpflegt hatte, mich mit Sonnencreme zugeschmiert und die Trinkblase gefüllt hatte, ging der Downhill-Spaß weiter. Ein Blick auf die Uhr: „Mist - nicht immer GPS Empfang gehabt, aber die Zeit sagte fast 11 h. Das würde ja über 20 h für die gesamte Strecke bedeuten.“ Ich würde nur ungern wieder in die Dämmerung kommen. Kurz nachgerechnet „21 Uhr ist Sonnenuntergang, 21.30Uhr ist es dunkel“, also etwas mehr Tempo, dann passt es. MP3-Player mit Metal auf die Ohren und los.
Wegen der großen Hitze füllte ich jetzt an jeder Station meine Trinkblase voll (2 l) und nahm zusätzlich immer noch einiges an Iso und Cola zu mir. Insgesamt verbrauchte ich ca.10 l Flüssigkeit, die komplett ausgeschwitzt wurden.
Ein dänische Laufkollege hatte ungefähr das Gleiche getrunken, aber musste am nächsten Tag wegen Dehydrierung an den Tropf.
Was wichtig ist und was er nicht bedachte, dass der Körper so viel Flüssigkeit nur sehr schlecht aufnehmen kann, wenn man nicht genügend Salz dazu nimmt. Zuviel ist auch nicht gut. Den Zusammenhang mit der Flüssigkeitsaufnahme und dem Salzgehalt bekomme ich nicht mehr ganz hin. Aber bei ca. 1,5 l Wasser sollte es eine Salztablette sein.
Ich nahm ca. alle 3 h eine Salztablette und ab und zu etwas Magnesium.
Ab km 63 ging die Quälerei richtig los. Durch die sengende Hitze ohne Schatten mussten wir uns auf einem unschönen Schotterweg hochschleppen. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging es über ein Levada in den Wald. Aber erstmal wurde die Kappe als Schöpfkelle benutzt, damit ich etwas von dem kühlen Nass über mich kippen konnte. Am liebsten hätte ich mich in diesen Levada gelegt. Aber der war selbst für schmale Läufer zu schmal. (Hinweis vom Veranstalter: das Wasser aus den Levadas NICHT trinken!)
Der Wald spendete zwar Schatten, aber die Hitze blieb.
Es ging einen verwachsenen Pfad hinauf, der vielleicht mal vor vielen Jahrzehnten ein Weg war. Steil, unwegsam und ein wenig wie ein Urwald. Es war mal wieder soweit, dass ich den Spanier Mikel überholte. Seit dem vorletzten schweren Anstieg zogen wir uns immer wieder gegenseitig die Berge rauf. Konversation war sowieso nicht möglich. Er sprach nur Spanisch und bei mir reicht es ja so gerade, um im Urlaub was zu Essen und Trinken zu bekommen. Aber abgesehen davon wäre auch keine Luft zum Quatschen da gewesen.
Endlich oben angekommen, stießen wir auf Läufer, die wieder andere Startnummern hatten, es waren die 25-km-Läufer. Jetzt folgten wir zusammen einen wunderschönen Levada Weg, durch Tunnel und Urwäldern.
Ein sehr schöner Abschnitt, den ich auch deshalb so genießen konnte, weil ich mit meiner gelben Startnummer (das waren die 100-km Läufer) jetzt sogar die 25-km-Läufer überholen konnte.
Aber das Intermezzo war nur kurz. Mich hatte die Realität wieder. 6.100 Höhenmeter sind und bleiben eine Menge, also ging es mal wieder steil hoch. Zur Abwechslung über eine Waldweg-Holztreppe.

Oben angekommen gab es bei km 72 zum Glück wieder die Gelegenheit einer Verpflegung. Dort machte ich allerdings meinen alten Fehler und trank zuviel auf einmal und das vor einem Downhill. Die Rechnung kam prompt: Seitenstechen. Da das aber nichts neues für mich ist und ich mir mittlerweile ein paar Tricks angeeignet habe, bekam ich sie schnell wieder in den Griff.
Dieser Downhill hatte es in sich. Es war ein verschlungener teilweise mit Farn zugewachsener Singletrail. Wenn ich hier von Farn spreche, dann meine ich nicht den kleinen, wie wir ihn hier haben, nein, die sind da so groß wie Palmwedel. Er mündet in einen Lorbeerwald, wo er zwar breiter, aber nicht weniger schwierig wurde. Noch oben zwischen dem Farn hatte ich vor mir eine kleine Frau, die ziemlich flott dieses Ding anging. Also hing ich mich dran und nutze sie als Pacemaker. Im Wald wurde es dann technisch doch so anspruchsvoll, dass wir beide einen Gang zurück schalten mussten. Nasse und mit Moos bewachsene Steine, die unter Laub versteckt waren. Nachdem erst ich und dann sie sich schon auf den Allerwertesten gesetzt hatten, beschlossen wir in den „Walk-Modus“ umzuschalten.
Unten angekommen stellt ich dann fest, dass sie die 55 km und nicht die 101 km läuft. Deshalb war sie auch so schnell. Mir hat es etwas den Schnitt verbessert.

Letzter Anstieg – km 82 – so lange bin ich noch nie am Stück gelaufen – weder zeit- noch km-mäßig - jetzt noch mal Zähne zusammenbeißen. Also Musik an und stur hoch da. Erst im Nachhinein und durch die Erzählungen eines Einheimischen muss ich wohl wie eine „Dampflok“ mit Scheuklappen an den 55-km-Läufern vorbei gezogen sein. Ich wollte es nur noch hinter mich bringen.
Dieser letzte Anstieg war zwar kürzer, aber teilweise noch mal Rappenscharten-steil.
Am Ende wartet bei ca. km 87 die vorletzte Verpflegungsstation. An dieser hatte ich keine Lust mehr, meinen Rucksack auszuziehen und die Trinkblase zu füllen.
Die Helfer nahmen mir sogar den Becher hinten vom Rucksack, da ich nicht mehr in der Lage war, meine Arme nach hinten zu strecken. Nach einigen Colas ging es dann sanft und auf einem breiten Weg, bergab…Seitenstechen. Egal. Mir tat mittlerweile alles weh, da kommt es darauf auch nicht mehr an.
Da es nicht immer GPS Empfang gab, hatte meine Uhr nicht alle gelaufenen km aufgezeichnet, ich staunte also nicht schlecht, dass ich eigentlich schon 5 km mehr gelaufen bin, als die Uhr anzeigte. Das würde ja bedeuten, unter 20 h ist doch drin.
Jetzt kam der Moment, den alle immer als „Runners-High“ bezeichnen. Den Moment, wo der Geist den Körper verlässt und nur noch funktioniert. Im Kopf fängt man an, die SMS, die man schreiben möchte über seinen persönlichen Sieg, zu formulieren und an die Belohnung zu denken, die man sich selber gibt. Ich kam auf die Idee, meine Ina am Zieleinlauf zu beteiligen. Nachdem ich die letzte Verpflegungsstation passiert hatte, bei der ich erfuhr, dass es 101,5 km und nicht 100 km sind, und den letzten kleinen Anstieg auf der Küstenstrasse hinter mir hatte, rief ich zu Hause an und stellte auf Lautsprecher. Der Rennradfahrer, der mich die letzten 2 km begleitete, verstand zwar kein Wort, kapierte aber direkt, was ich da mache. So ging es mit dem Handy in der Hand und der Deutschlandfahne am Bein Richtung Ziel.
GESCHAFFT. Diesen Moment kann ich nicht beschreiben, überwältigt von der menschlichen und eigenen Leistungsfähigkeit kam mir die Tränen…Worte kam keine mehr raus, nur noch ein Schrei.

Im Ziel gab es noch Verpflegung und der Chip musste ausgelesen werden. Alle Daten wurde auf dem Chip gespeichert und so bekam ich direkt mein Pfand zurück und einen Ausdruck mit allen Zwischenzeiten.
Jetzt zum Supermarkt und ab ins Hotel. Dort gab es doch zum Deutschland - Portugal EM-Spiel 3 Bier für 2, das wollte ich mir nicht nehmen lassen.

The Day after
Noch in der Nacht bin ich mehrmals aufgewacht, um zu trinken, und dabei hörte ich noch immer Zieleinläufe. Zielschluss war ja erst im 2 Uhr.
Am nächsten Morgen wachte ich mit einem Bärenhunger auf. Also Frühstücksbuffet plündern.
Anschließend ging es zum Raceoffice, wo jeder Finisher sein Geschenk bekam. Eine bestickte Fleecjacke. Das ist doch mal was.
Es war schön, jetzt noch mal alle Läufer zu treffen. Man nickte sich zu und verstand sich auch ohne Worte, nur durch Gesten. Klasse Stimmung.
Nach einem folkloristischen Tanz von den Blumenmädchen gab es die Siegerehrung. Ich hab nicht ganz verstanden, was da alles geehrte wurde, aber es hat sich sehr lange hingezogen.
Danach gingen alle Läufer (und Begleiter, wenn sie das im Vorfeld bezahlten hatten) ins Restaurant direkt am Meer. Auf dem Weg dorthin traf ich wieder den Spanier Mikel. Die Konversation war jetzt nicht wirklich einfacher. Aber mit Händen und Füßen ging es. Den Tisch teilten wir uns dann noch mit Dieter und seiner Frau. Dieter hatte in seiner Alterklasse das Podium geentert.
Das Essen war klasse und das Bier erst….Zum Abschluss sprang ich dann noch mal ins Meer.

Fazit:
Ein Lauf, der es in sich hat. Zwei Teilnehmer meinten, es wäre ihnen schwerer gefallen als der UTMB.
Aber egal wie, man darf den nicht unterschätzen.
Die Organisation war perfekt und ist wurde an alles gedacht. Wer eine Frage hatte, dem wurde schnell geholfen.
Für das Startgeld bekommt man mehr als sonst wo.
Die Insel ist ein einziger schroffer Trail.

Tipps:
Das mit den Sachen ins Handgepäck sollte man ernst nehmen. Nachdem sich mein Rückflug um 4 h verschoben hatte und somit mein Anschluss weg war, habe ich von anderen Reisenden mitbekommen, dass sie auf dem Hinflug schon Probleme hatten und ihr Gepäck erst zwei Tage später bekamen. Wer also nur für das Rennen anreist, sollte daran denke, die Sachen für den Lauf ins Handgepäck zu nehmen.
Im Supermarkt reichlich Trinkwasser einkaufen, das Wasser für die Zeit nach dem Rennen nicht vergessen, damit man im Hotel versorgt ist.
Das Hotel Euro Moniz ist absolut empfehlenswert. Von der Lage her kann man aber auch jedes andere Hotel in Porto Moniz nehmen.
Der Transfer Flughafen nach Porto Moniz dauert ca. 1 h mit dem Hotelshuttle.


Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.
(Johann Wolfgang von Goethe)

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#7

RE: Madeira Island Ultratrail

in Rennberichte 13.06.2012 22:02
von M@ikel • 100 Beiträge

Top Leistung und Klasse Bericht,
liest sich auf deiner Seite mit den Bildern dann noch besser ;)

OffTopic-Frage: Wo hast du die Ink’N’Burn Armlinge her?


"If I were to be remembered for anything at all, I would want that to be that I am/was authentic. No Mas. Run Free!"
Micah True aka Caballo Blanco

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#8

RE: Madeira Island Ultratrail

in Rennberichte 13.06.2012 22:27
von Spin67 • 75 Beiträge

Sehr schöner Bericht von deiner Super Leistung!!

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#9

RE: Madeira Island Ultratrail

in Rennberichte 14.06.2012 07:23
von Trailrunning-Rocks • 201 Beiträge

Schön das euch der bericht gefällt...für euch schreib ich den ja auch.

Die InkNBurn Sachen beziehe ich als Sammelbesteller mit anderen direkt in USA. Die gibt es nicht in Europa.
Einfach eine private Nachricht an mich, mit Email und Anschrift und ich meld mich bei der Nächsten Sammelbestellung


Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.
(Johann Wolfgang von Goethe)

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#10

RE: Madeira Island Ultratrail

in Rennberichte 14.06.2012 07:38
von Don Downhill • 74 Beiträge

Ganz grosse Klasse,Holger!

Gruss

Don


"What goes up must run down" - Don Downhill

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#11

RE: Madeira Island Ultratrail

in Rennberichte 14.06.2012 08:42
von Alpinrönner • 232 Beiträge

super!

Kleines Detail: hier hast du horizontale und vertikale vertauscht

Zitat
Vertikal 101,5 km
Horizontal 6.100 Hm im Auf- und im Abstieg


Alles unter 2000 Höhenmeter ist Ruhetag!!! ;-)

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#12

RE: Madeira Island Ultratrail

in Rennberichte 14.06.2012 08:47
von Trailrunning-Rocks • 201 Beiträge

das hab ich doch extra gemacht, um zu sehen wer den Bericht aufmerkam ließt ;-) ist im Blog geändert.

Danke.


Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.
(Johann Wolfgang von Goethe)

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#13

RE: Madeira Island Ultratrail

in Rennberichte 14.06.2012 12:28
von TriTo • 1.288 Beiträge

Krass!

Mein Horizont reicht aktuell nur für Wettkämpfe, die man an einem Tag (die ganze Zeit im Hellen) schaffen kann....
....aber mal sehen, wohin der Weg führt ;-)


Relax mal gut und schone Dein Knie!

Keep ON!


...nice to read you...

Greetz TriTo

....life's a trail!

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#14

RE: Madeira Island Ultratrail

in Rennberichte 17.06.2012 19:47
von Neckarine • 802 Beiträge

Respekt, super Leistung und toller Bericht - Gänsehaut!


Wer aufhört besser zu werden hat aufgehört gut zu sein

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#15

RE: Madeira Island Ultratrail

in Rennberichte 18.06.2012 09:38
von poki • 52 Beiträge

Sensationell! Große Klasse!
Was für eine Leistung!

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