#1

UTML 2018

in Rennberichte 09.09.2018 16:41
von rosskopf • 143 Beiträge

UTML?
Was soll denn das sein?
Na der Ultratrail im Müllerthal in Luxemburg.
Man läuft die 3 großen Hauptschleifen des Müllerthal Trails nacheinander ab und kommt so auf ca. 112 km.
Dieses Jahr allerdings gab es kleine Abweichungen der Originalstrecke, da die Schäden, bedingt durch die sintflutartigen Regenfälle im Juni, noch nicht ganz behoben werden konnten. So war die Strecke wohl um 2-3 km länger (meine Einschätzung) aber mit etwas weniger Höhenmeter (vor allem Steinstufen) gespickt.
Wie in den letzten beiden Jahren gab es den Startschuss um 00:05, nach einer kurzen Ansprache der Organisation, welche immer dreisprachig abgehalten wird (typisch für unser Ländle :-) ) In eben dieser Anspache kam auch zur Sprache, dass es eine beispiellose Solidarität im Vorfeld gab um das Wegenetz wieder so weit wie nur irgendmöglich wiederherzustellen. Das dürfte auch so manchem Teilnehmer gar nicht so bewusst gewesen sein wie viel Arbeitszeit nötig gewesen sein muss damit der Trail so in der Form überhaupt stattfinden konnte.
Es ging also los. Mitten in der Nacht. Mal wieder...hatte ich nicht mal gesagt, das würde ich nie wieder machen?
Nun bereits zum 3. Mal...
Gut in der Nacht laufen ist mittlerweile Routine geworden, aber wie soll man denn bitte am besten den Tag vorher verbringen?
Ich habe versucht nach dem Mittagessen mich hinzulegen. und warte und warte und warte noch etwas länger, kucke auf die Uhr und 1 Stunde rum..na super also wieder Augen zu usw usf bis dann endlich um 20:00 wollte ich dann ohnehin aufstehen, mental war ich jetzt schon eigentlich durch, durch dieses Rumgewarte. Nochmal letzter Wettercheck. Ok es wird trocken bleiben aber es wird recht kühl in der Nacht und wie üblich noch kühler zum Morgen hin 4-5C° Hmm reichen mir da Armlinge und T-Shirt? oder brauchts doch ne dünne Windstopper? Beim Aufgeben meiner Tasche hatte mich dazu entschlossen keine Jacke mitzunehmen...diese Entscheidung machte ich nach 10 min. Rumfrieren dann wieder rückgängig. Zudem kroch jetzt dann doch ganz allmählich Müdigkeit in den Verstand. Diese Rumwarterei....Kurz drauf wurde ich dann von Willi angesprochen, ob alles ok wär? Ich muss wohl ziemlich missmutig dreingeschaut haben... Es stellte sich heraus, dass er sich auch das Ziel gesetzt hatte unter 13 Stunden zu laufen und so war dann auch schnell verabredet die Nacht wenns denn passt zusammen zu laufen. Worüber ich nur froh sein konnte, denn wie sich herausstellen sollte der gute Willi sehr gespächig und lebenserfahren ist und somit war das Müdigkeitsproblem zunächst mal wie verflogen. Was steuerte ich bei? Nun ich kenne die Wege quasi auswendig und so konnte ich ihm garantieren, dass er sich nicht verlaufen würde und an welchen Stellen es Sinn macht auch früh im Rennen die Steigungen zu gehen usw.
Das ganze lief auch recht gut und flüssig, wie gesagt Willi redete ohne zu stocken bei 5min auf den flachen Kilometern und das mit 56...einfach beeindruckend was manche noch so abrufen können...ich jedenfalls hatte ab und an Mühe längere Sätze zu bilden...
Es lief also gut bis das Terrain von den anfänglich wirklich sehr einfachen Wegen wechselte auf steinige wurzelige Trails. Willi hatte hier ein paar Probleme und hatte zudem eine kleine Schrecksekunde als er etwas umknickte wie er sagte. Aber es ging dann wieder weiter und es war wohl soweit alles ok. Der nächste etwas schwierigere Abschnitt von Rosport nach Echternach verlor ich Willi dann kurz hinter mir aus den Augen, dachte aber, dass er mich auf dem nächsten Flachstück sicher wieder einholen würde. Der Wald spuckte mich dann bald auf den Radweg der uns über 2 km wieder nach Echternach reinführte und ich guckte auf die Uhr 3 Stunden 35 eieiei ähnlich wie letztes Jahr, eigentlich etwas zu schnell. Ich kuck mehrfach nach hinten, aber das grelle Licht von Willis Stirnlampe will einfach nicht auftauchen. Schade, wollte mich zumindest verabschieden, hatte so ein wenig das Gefühl ihn im Stich zu lassen. Auf der Verpflegungsstation in Echternach kurz Flaschen aufgefüllt und weiter 3 Läufer dabei eingholt, welche mich dan bergauf allerdings quasi wieder stehen ließen. Wie machen die das nur? Position 7 hatte ich , wie mir beim VP berichtet wurde, derzeit inne. Nun kommt ein recht technisches Stück, das schwierigste überhaupt vor allem weil es ja noch immer Nacht war... Nun alleine unterwegs, kein Gesprächspartner..ich ließ den Kopf nicht nur mental ab und an hier hängen, bis vor mir Licht auftauchte. Nein keine Erscheinung oder ähnliches nur das kühle Licht 3er LED Stirnlampen...Ich holte also auf? Wie das ich fühlte mich doch schon so durch? Die Kollegen waren mir vom Rhythmus aber dann tatsächlich etwas zu langsam, vor allem bei den Flachstücken schienen sie Mühe zu haben und nach ein paar Minuten sah ich keinen mehr. Platz 4. Vielleicht wirds ja wieder etwas mit nem Podiumsplatz? Nein! Nicht drüber nachdenken, noch zu früh! Ankunft auf der Heringermillen, erstmal Tee reinkippen, denn bei 4 Grad Aussentemperatur hat das Wasser in den Flaschen ja bekanntlich die Eigenschaft die gleiche Temperatur anzunehmen. Mittlerweile wurde es langsam hell. Endlich die Stirnlampe ab und verstauen. Der 3. Platzierte machte sich nun auf, ich musste aber noch meine Flaschen füllen und verließ den VP 2-3 min nach ihm und hatte eigentlich auch noch kein Bock mich jetzt schon zu hetzen, immerhin waren wir erst in Hälfte des Rennens. Also auf nach Beaufort, aber in meinem Rhythmus ohne etwas zu forcieren. Lief gut und zügig die nächsten 4 km über einfache breite Wege, bis der Weg dann links abbiegt und einem Flusslauf folgt. Einfach nur wunderschön in frühen Morgenstimmung, kühl aber nicht mehr kalt, leicht nebelig, Vögel die den Tag begrüßen und das sprudelnde Wasser des Flusses. Der Trail mal steinig mal wurzelig dann quert man den Fluss einige Male über Steine über Brücken, leider leider ist dieses Stück immer viel zu kurz..nach 3 km galngt man dann nach Beaufort und läuft unten an der kleinen Burg vorbei. Die nächsten km sind gut und schnell zu laufen (wenn man denn noch die Beine dazu hat) ich wollte aber hier noch nichts forcieren, sondern schön in meiner Wohlfühlzone bleiben. Ich so ganz langsam auf den 3.Plazierten auf, welcher als er dies bemerkte sich ein wenig hektisch umdrehte und etwas beschleunigte. Ich ließ ihn ziehen. Wollte noch nicht aufs Ganze gehen. Irgendwann überholte ich ihn dann als er telefonierte? beim nächsten Vp das üblich Prozedere, Iso nachfüllen , Cola Wasser getrunken und weiter, in der Zwischenzeit war der Andere allerdings wieder vorbeigerauscht...Ich sah ihn noch ein paar Mal aus der Ferne kam aber nicht mehr an ihn ran, er war einfach der bessere und fokussiertere an diesem Tag. Mein Fokus kam mir immer wieder abhanden, war öfters einfach nicht voll bei der Sache. Erklärtes Hauptziel war unter 13 Stunden. Bei dem 2. Durchlauf auf der Heringermillen, Family begrüsst, das gab Auftrieb. ich hatte noch rund 2Stunden 15 für 18 km...Bis Berdorf warens etwa 8km, für welche ich ziemlich genau 1 Stunde brauchte. Noch 10 km und 1 Stunde 15 Zeit dafür...Eigentlich kein Ding, aber es kommen noch viele Stufen am Schluss durch die Wolfsschlucht...Hier läuft man eine Umleitung die eingerichtet wurde wegen der Sturmschäden. Die km zogen sich hin ich versuchte nochmal so gut es ging alles zu laufen, bei den zuvor erwähnten Stufen kapitulierte ich allerdings und ich murkste mich da irgendwie hoch, es zog an allen Ecken und Enden, vor allem aber in der rechten Kniekehle...die Stelle hatte angefangen ab km 30 zu zwicken mittlerweile war es eher ein Reissen wenn ich auch nur dran dachte das Knie vollends zu strecken...hilft ja enorm beim Abdruck...egal weiter einfach nur immer weiter, letzte Stufe und jetzt nur noch bergab, durch die Fußgängerzone und endlich im Ziel. Ein kleiner Urschrei brach dabei auch noch hervor, aber die letzten km waren einfach nochmal so hart aber als ich Zeit sah konnte ich es kaum fassen, denn ich dachte das würde nie und nimmer klappen mit sub 13h, aber da stand sehr zu meiner Überraschung 12:38:00! Einfach unfassbar. Hätte meine Uhr sich icht schon bei km70 verabschiedet, wärs nicht die Überraschung gewesen aber dann hätte ich vermutlich auch nicht mehr so gepusht am Ende.
Auch wenn ich jetzt wiederum auf die Frage einer weiteren Teilnahme hin sage: NIE NIE WIEDER,
sag ich gleichzeitig:
sag niemals nie ;-)

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#2

RE: UTML 2018

in Rennberichte 09.09.2018 21:36
von Nils • 3 Beiträge

Schöner Bericht.
Schaue grade per Zufall hier rein. Habe die mittlere Strecke gemacht, zum ersten Mal überhaupt über 40 km ;-)
War super, hat viel Spass gemacht. Hatte leider relativ schnell mit "knapp vor" Krämpfen zu tun, hat aber irgendwie geklappt.
Die Stufen waren ja endlos, aber wirklich super Gegend, kann man nur empfehlen!!!

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