#1

Dirndltal-Extrem Ultramarathon

in Rennberichte 13.08.2012 17:42
von Ultra-Habicht • 9 Beiträge

Er ist zwar kein wirklich echter und reinrassiger Trail, doch das Dirndltal kann durchaus mit dem Chiemgau (am gleichen Wochenende) mithalten, nur dass es ein wenig länger (111 km) und ein wenig mehr rauf und runter (5000 hm) geht. Wer mehr über die Premiere lesen will, hier mein Rennbericht: http://www.laufkultur.de/homepage/conten...al12_start.html

Ich bin mir sicher... 2013 sind deutlich mehr am Start. das hat das Rennen verdient.

Der Ultra-Habicht

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#2

RE: Dirndltal-Extrem Ultramarathon

in Rennberichte 14.08.2012 06:36
von RunningGecko • 150 Beiträge

Hallo Ultra-Habicht

Erstmal Glückwunsch zu deinem 3. Platz. Hut ab, toll gemacht.

Danke für den Bericht und die vielen Fotos.
Man kann sich ein gutes Bild von diesem schönen Lauf machen.

Für das nächste Jahr wäre das ein interessantes Vorhaben für mich, wenn ich mir bis dahin so eine lange Strecke zutrauen kann.
Kommt auf die Trainingskilometer im Winter an. (Naja, nicht nur die im Winter)

Toller Nebeneffekt: Der Lauf 2013 (Kaum zu glauben, aber der Termin steht schon) wäre drei Tage vor meinem Geburtstag.

Das wäre doch ein Geschenk, dass ich mir selber machen kann.

Gruass us'm Ländle


Wenn du es nicht versuchst, wirst du nie erfahren, ob es sich nicht doch gelohnt hätte.

zuletzt bearbeitet 14.08.2012 06:45 | nach oben

#3

RE: Dirndltal-Extrem Ultramarathon

in Rennberichte 14.08.2012 11:56
von TriTo • 1.289 Beiträge

Geiler Bericht und tolle Pics und eine Story, die einen mitfiebern lässt......bin mitgerannt.....und musste bei den *Alte-Hasen-Tricks* .....kurze Verpflegungsstopps und außer Sicht bleiben schmunzeln.....kenne ich :-)))
....irgendwoher :-)


...nice to read you...

Greetz TriTo

....life's a trail!

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#4

RE: Dirndltal-Extrem Ultramarathon

in Rennberichte 17.08.2012 11:16
von Gerhard_73 • 93 Beiträge

toller Bericht!
Habs noch nie bei einem Wettkampf geschafft Fotos zu machen, find ich super!!!

Weiter so!
alles gute
Gerhard

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#5

RE: Dirndltal-Extrem Ultramarathon

in Rennberichte 11.12.2012 14:05
von coco87 • 42 Beiträge

Nachdem ich glaub dass es hier nicht geht, Dokumente anzuhängen (ich habs trotzdem probiert) schreib ichs so rein (leider halt dann ohne Fotos)

III - die Magie dreistelliger Zahlen
(wenn KM dahinter steht)
oder einfach:
Dirndltal
Extrem
Ultramarathon



Es war irgendwann Mitte September. Ich lieg im Bett. Kann nicht schlafen. Denk nach. Über das Leben. Über Höhen und Tiefen.

Plötzlich wird mein Puls schnell und der Atem schwer. Die Gedanken ziehen mich zurück. Zurück, zum Höhepunkt dieses Jahres. Ich mach die Augen auf. Und wieder zu. Lass mich fallen. Geh tief in mich hinein.

Ich spür die Hitze. So früh am Morgen. Es ist viel zu heiß. Der Startschuss hinter mir, den Feldern entlang. Die Sonne kriecht langsam über die Hügeln. Eine dreiviertel Stunde ist um. Ich schau das erste Mal auf die Uhr. Es wird einer der heißesten Tage dieses Jahres. Und ich laufe. Laufe. Und laufe. Und nur Gott weiß, wie lange noch.



(Klein Spaggi kurz vorm Start mit der Checkpointkarte)








Vorbei an weißen Kühen. Daher kommt also weiße Schoki, alles klar! Hinunter zum CP 1. Mitten durch ein kleines Ortschaftl, eine schöne Kirche.



Weiter geht’s, durch Wälder. Leicht Bergauf. Weiter, über eine Wiese. Die noch immer extrem feucht ist von der Nacht. Die Nacht, die so heiß war, dass niemand schlafen konnte. Im Dachboden des Tennisclubs. Wie Sardinen, neben einander. Sind wir gelegen. Die Wahnsinnigen, die 111km durch das Dirndltal zu Fuß, in einem durch, und dabei 5000 Höhenmeter gut machen wollen. An einem der heißesten Tage.

Der 2. Checkpunkt. Ich lad Wasser nach. Viel trinken. Sonst kannst du dir die Ziellinie aufzeichnen. Die Ungarin hab ich hinter mir gelassen.
Weiter, immer noch hinauf. Dann endlich. Hinunter. Bis zum Checkpunkt 3. Bin ich nicht zu schnell?

Es rennt gut. Vielleicht aber zu gut. Also dann weiter. Wieder berg auf. Auf der Straße. Der Asphalt glüht. Wieder Berg ab. Es geht wirklich zu gut. Checkpoint 4.

Die Leute am CP sind freundlich. Ich freu mich. Dass es so gut rennt. Zu gut. Wieder weiter. Berg auf. Kopfhörer aus dem Rucksack. Musik in die Ohren. Die Filmmusik von Schindlers Liste. In Gedenken an den harten Weg der Menschen damals. Heute geh ich ein Stück mit euch.
Kopfhörer wieder raus. Realität rein. Es geht wieder bergab. Vorbei an einer vorbereiteten Hochzeit.

Und was passiert jetzt? Meine Füße wollen nicht mehr laufen. Keinen Schritt. Also geh ich. Teilnehmer ziehen an mir vorbei. Mittagshitze. Zu schwül. Über unwegsames Gelände bis zum CP 5. Vorher noch einmal kurz verlaufen. Ich bin am Ende. Game over.

Hinsetzen auf die Bank. Die zwei großen Berge doch noch schnupfen und erst dann kaptulieren? Vielleicht doch. Kann nicht jetzt schon vorbei sein. Muss weiter gehen.
Jetzt einen Schuhwechsel? Von solide Speedcross 3 auf minimalistische aber super leichte NB Minimus? Ein Versuch ist es wert (wenn ich nur wüsste...).
Also weiter. Laufen. Oder doch besser gehen. Wieder Bergauf. Steile Waldwege. Bis zum Eisenstein. CP 6. Ein Schleppen. Aber irgendwie geht’s. Na Hauptsache es geht. Immerhin. Schon gute 63, nur mehr 48km! Eh nur mehr. Ein kurzer Blick über das Panorama. So schön hier.


Dann weiter. Leicht bergab. Ich bemüh mich. Und lauf. Manchmal. Es wird schwarz über meinem Kopf. Der Zorn Gottes? Die Wolkendecke wird immer größer. Immer dunkler. Während ich mich bergauf durch den Wald auf den Hohenstein treib. Es regnet noch nicht. Noch nicht. Ich geh hinter die Hütte. Zum Gipfelkreuz. Das muss jetzt wirklich drin sein. Plötzlich die Dame vom CP 7: „Komm! Weiter mit dir! Hopp hopp!“ Man wird doch wohl noch die Aussicht genießen dürfen. Ein Stück Banane. Der Gedanken an den nächsten CP ist gut. Dort wartet endlich frisches Gewand.



Und jetzt geht’s wieder bergab. Eine Schotterstraße. Wie für Autofahrer eine Autobahn. Groß, viel zu groß. Fad. Viel zu fad. Plötzlich Sturm. Plötzlich Regen. Heftiger Regen. Mir wird unwohl. Ein komisches Gefühl in meinem Bauch. Angst. Blitze in der Ferne. Hilfe! Holt mich denn keiner? Die können uns doch nicht draußen lassen? Viel zu gefährlich, oder? Ich mag nicht mehr. Alle noch lebendigen Muskeln spreizen sich. Keinen Meter mehr. Ich will keinen Meter mehr. Aber hier stehen bleiben und warten? Auch nicht sicherer. Also doch weiter. Immer noch diese Angst im Bauch. Und diese Wut. Auf mich. Dass ich nicht aufgehört habe bei einen der letzten Checkpoints. Auf die Organisatoren, dass sie dieses Rennen nicht für mich beenden.
Tränen. In meinem Gesicht. Wut, Angst und Verzweiflung. Der Regen dringt jetzt an alle Körperstellen. Nässe. Kälte. Auch das noch. Ein Wunsch: Ende dem Kampf in mir, aufgeben. Ich rede mit mir selbst. Schrei. Lass alles raus. Wein noch immer. Gott sei dank niemand hier, der mich sehen kann. Keiner könnte das verstehen. Und zum x-ten Mal die Frage: Warum? Wem was beweisen? Wozu?
Der Regen lässt nach. Ich kämpf mich die Straße entlang. Raus aus dem Tal. Endlich. CP 8.

Ich setz mich auf die Bank im Zelt. Sitz da. Außer der freiwilligen Helferin keiner sonst da. Ich wisch meine letzten Tränen weg. Lass mir nix anmerken. Wir reden. Woher ich komme. Das sie schon mal in Wiener Neustadt war. Tut das gut, an was anderes zu denken. So viele haben hier schon aufgegeben. Sagt sie. Einer mit Krämpfen in die Rettung, ab ins Spital. Wenn so viele aufgeben, kann ich nicht aufgeben. Herausforderung angenommen. Und ich hab mir geschworen, irgendwann muss ich dieser netten Dame eine MERCI Schachtel schicken. Wenn sie wüsste, dass kleine Engel manchmal in einem Partyzelt stehen und warten, dass so Monster wie ich vorbei kommen und nach seelischer Unterstützung lechzen...



Wieder berg auf. Durch den Wald. Es wird dunkel. Immer dunkler. Ich brauch keine Taschenlampe. Ein Ast im Weg- autsch. Ein zweiter liegt mitten am Weg. Stolper. Ok, Taschenlampe doch raus. Vorbei an Kuhställen, Höfen, Ausflugszielen. Mal eine Katze, die einen zu Tode erschreckt. Mal gespenstische Stille, die an mir nagt. Mal eine Kuh in der Ferne, die mich weitertreibt. Mal ein Auto irgendwo, dass mich nicht tangiert. Ich will nur mehr eins. ZIEL....ZIEL...wo bist du? Und wieso versteckst du dich vor mir?? Grüne Stäbchen. Überall. Wegmarkierung. Also dauernd mit den Augen am Horizont, das nächste grüne Stäbchen suchend. Müdigkeit. In meinen Füßen, meinen Augen, meinem Kopf. Der nächste Checkpoint angeblich nicht mehr so weit weg. Aber er kommt nicht. Und dann, fast übersehen. CP 9.

In einer großen Garage. Ob ich was brauche? Naja, wie wärs mit einem ENDE? Habt ihr nicht. Scheisse. Dann muss ich eben beim nächsten CP danach suchen.
Also wieder weiter. Berg auf, berg ab. Durch Weiden, Wälder. Von Stäbchen zu Stäbchen. Wie lang habe ich keinen anderen Teilnehmer mehr gesehen? Mitten auf einer Wiese, steh ich plötzlich vor einem riesen Baum. So dick wie sein Stamm, muss heute mein Wille sein. Bis ins Ziel. Ich steh noch immer vor diesem Naturdenkmal. Setz mich hin. Starr fasziniert auf diesen Baum. Wie lange er wohl hier schon diese schöne Gegend genießt? Plötzlich vom Ende der Wiese, ein Lichtkegel. Eine Teilnehmerin überholt mich. Geht an mir vorbei. Kurzes Gespräch. Sie geht die 111km. Ohne Laufen. Dafür durch. Ohne Uhr. OHNE UHR?? Ich lass sie ziehen. Sie geht schneller als ich. Es zieht sich. Schon wieder. Der nächste CP. Endlich.

Jetzt ist es nicht mehr weit, sagt die nette Frau am CP 9. Gott sei froh, dass du nicht weißt, wie lange für mich gerade 100 Meter sind. Aber ich lächle. Ist ja gut gemeint. Der Hügel vor mir ist der Letzte. 13km noch. Also gut. Dann endlich ab ins Ziel.
Also wieder, zum allerletzten Mal. Bergauf. Doch die Wiese ist so nass. Das hatten wir doch heute schon?! Doch diesmal die falschen Schuhe. Die Nässe geht durch. Der Weg glitschig, bei jedem Schritt rutsch ich ab. Man findet keinen Halt. Also der Griff ins Gebüsch. Autsch! Das sticht! Egal, Hauptsache irgendwie weiter hinauf. Bloß nicht zurück!
Geschafft. Wieder durch eine nasse Wiese hinunter, bis zur Straße. Doch da ist es schon zu spät. Meine Füße schmerzen. Der ganze Fuß eine Blase?? Gibt’s doch nicht, oder?
Langsam fühl ich mich wie ein Junkie, auf Entzug. Von einem grünen Licht zum nächsten. Vom Schmerz benommen. Nicht mehr zum Nachdenken in der Lage. Nur nicht nach hinten schauen. Ich wackle, den Bahngleisen entlang, talauswärts. Jetzt sollten es nur mehr 4km sein. Aber jeder Schritt tut weh. Immer mehr. Durch eine Ortschaft. Durch noch eine. Gibt’s ja nicht. Müsste doch schon längst da sein. Ich setz mich kurz am Boden, hockerl mich hin. Hilft nix. Ich muss weiter. Ein Teilnehmer läuft an mir vorbei. Wo nimmt der jetzt noch seine Energie her?? Ein Radlfahrer kommt mir entgegen. Mit einem grünen Stäbchen in der Hand. Weiß der Trottel eigentlich dass diese Stäbchen unsere einzige Hoffnung sind? Gott sei dank hab ich keine Kraft mehr, ihn aus dem Sattel zu befördern. Also lass ich ihn wortlos passieren. Kopfschüttelnd schau ich ihm noch nach. Fett radl fahren und Knicklichter fladern. Sowas. Und er verschwindet im Dunkeln.
Endlich. Kaum fassbar mein Glück. Der Bahnhof am Ende vom Zielort. Wenn ich die Kraft hätte, würde ich jetzt einen Luftsprung machen. Aber lieber doch die allerletzte Kraft für die letzten Schritte aufheben.
Und da seh ich es vor mir. Auf den letzten Metern. Kein Massenempfang, keine mit Lautsprechern moderierte Show. Nur das Ziel und ich. Das Ende. Ich setz mich auf die Bank. Schau hinunter auf den Boden. Mach die Augen zu. Schau auf die Uhr. Kaum zu glauben. 111km in meinen Beinen.
Raus aus den Schuhen. Was ist das? Meine Füße? Alles weiß. Richtige Furchen in meinen Fußballen. Das muss das Fußbad auf der Wiese gewesen sein. Wahnsinn. Sowas hab ich noch nie gesehen.




Der Helfer notiert meine Zeit. 20 Stunden und 13 Minuten.
Ein weiterer Läufer kommt ins Ziel. Wir gratulieren uns. Keine Finisher-Medaillen. Nur der unendliche Stolz in unseren Herzen.
Ich sammel mich wieder. Steh auf. Autsch. Fast hätte ich’s vergessen. Die Schmerzen beim Gehen. Die Dusche und der Weg zum Bett waren vermutlich die schmerzvollsten aber glücklichsten Schritte in diesem ganzen Jahr. Es ist schon wieder, oder eher noch immer, extrem warm in unserer Sardinendachbodensammelstelle für Extrem Wahnsinnige. Aber ich bin unendlich glücklich, jetzt hier zu sein. Ich schau durch den Raum. Die meisten sind schon hier. Aber nicht alle. Undenkbar dass noch immer welche auf ihrem Weg sind. Ich leg mich hin. Todmüde. Dreh mich nach links. Schmerzen in der Hüfte. Dreh mich nach rechts. Schmerzen in der Hüfte. Gut, dann am Rücken. Wie eine Schildkröte. Tod aber glücklich. Und kein Gedanke mehr, der fragt nach dem Warum. Nur eine Seele, die die Antwort spürt und ein Kopf, der es fühlt aber nicht in Worte ausdrücken kann.
Das ist Ultra Laufen.
Bringt die größten Schmerzen und macht glücklich.
Warum? Bitte nicht schon wieder diese Frage...

-111km-
-5000 Höhenmeter-
-und die Magie in meinen pulsierenden Venen-
-die immer wiederkehrt-





Statistik:
10 Läufer DNF,
29 im Ziel.

Mein Ergebnis: 15. Platz, Zeit: 20h13min


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#6

RE: Dirndltal-Extrem Ultramarathon

in Rennberichte 11.12.2012 22:52
von RunningGecko • 150 Beiträge

Danke für den lebhaften Bericht.

Jetzt ist mir klar warum ich einmal über 100 Km laufen will - damit ich auch mal sowas erleben darf.


Wenn du es nicht versuchst, wirst du nie erfahren, ob es sich nicht doch gelohnt hätte.

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#7

RE: Dirndltal-Extrem Ultramarathon

in Rennberichte 20.03.2013 07:40
von wolfgang • 196 Beiträge

wow - da ist mir ja jetzt die gänsehaut über den rücken gelaufen.
danke für diesen netten bericht und spät aber trotzdem gratulation zu deiner leistung.

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#8

RE: Dirndltal-Extrem Ultramarathon

in Rennberichte 20.03.2013 16:11
von coco87 • 42 Beiträge

Danke! Ich habs ma heut a wieder mal durchglesn und i geh einfach jedes mal wieder die strecke im schnelldurchlauf. Sowas vergisst ma einfach nie :)

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