#1

Karwendelmarsch 2012 (Lauf über 52km)

in Rennberichte 27.08.2012 12:26
von zanshin • 100 Beiträge

Hallo! Kopiere mal meinen Bericht aus dem RW hier rein. :laugh:
Karwendelmarsch (Lauf über 52 km)- …. Oder mein erster Ultra.
Okay, wenn die kürzere Strecke beim Zugspitz – Ultra „Bambini-Lauf“ genannt wird, dann ist der Karwendelmarsch mit seinen 52 km und ca. 2.281 Höhenmetern Aufstieg wohl eher ein „ Baby –Ultra“. Aber immerhin ein Ultra.

Donnerstag, 23.08.:
Abends nach Feierabend noch Müsliriegel gebacken (Die meisten Leckereien beim Karwendelmarsch sind ja leider laktosehaltig und daher für mich tabu…). Leider sind diese diesmal etwas trocken geraten. – Aber egal, wird schon gehen…

Freitag, 24.08.:
Anreise. Ankunft in Scharnitz um 17:30.
Nach dem Einchecken noch kurz zum Sparmarkt, ein paar Lebensmittel gekauft.
Dann ab zur Starnummern-Ausgabe.
Danach Abend-Essen und dann noch kurz in ein kleines Wirtshaus zum Mineralisieren per alkoholfreiem Hefeweizen. Für meinen Mann Volker (für den es auch sein erster Ultra werden sollte, gab es Mineralisierung mit Alkohol-Zusatz – bei seiner Endzeit von 8h:23 war das bestimmt Doping! )
Dann zurück aufs Zimmer und nach so gegen 21:30 Uhr ins Bett.
Samstag, 25.08.:
Nach einer viel zu kurzen und unruhigen Nach klingelt der Wecker (3:58 Uhr!!!! ).
Nach einem kurzen Frühstück dann ab zum Start. Treffen mit Lisa – 5:30 Uhr.
Noch regnet es nicht. So blieb die vage Hoffnung vielleicht doch noch halbwegs trocken durch zu kommen.
Der Sprecher sagte etwas von Fönwetter, …
Nunja. Pünktlich 5 Minuten vor dem Startschuss begann es dann doch zu regnen.
Dann endlich der Startschuss in Scharnitz (Höhe: 964 m) Es geht los. Schon nach den ersten 2-3 km waren meine Füße (und meine Speedcross 3) klatschnass. Na toll! Die ersten 500 Meter lief ich noch mit Volker zusammen, dann war er weg und ich sah ihn erst im Ziel wieder.
Aber es war wenigstens warm. Schwülwarm. Mein Kreislauf war im tiefsten Kellerloch und wollte nicht raus. Irgendwie war mir leicht übel. Keine Ahnung warum. Also Tempo raus. Kräfte schonen und bergauf ab jetzt Gehen. Diese Uhrzeit ( 6:00 Uhr) - ist für einen Langschläfer und Abend-Läufer nämlich noch mitten in der Nacht! Erst nach ca. 9 km (1.173 m), Labestation Larchetam, wurde es dann langsam nach einem leckeren Hollersaft besser. Und dann wurde es ja schon bald etwas steiler und aus dem Laufen wurde Wandern.
Nach ca. 19 km war Karwendelhaus (1.771 m) erreicht. Hier erstmals einen kleinen Bissen von meinen Müsliriegeln genommen. Sie waren wirklich trocken. Mehr als ein Bissen war mir nicht möglich. Daher lieber noch einen Becher Hollersaft getrunken und mit etwas Tee und Wasser nachgespült.
Dann ging es runter zum kleinen Ahornboden (1.399 m, ca. km 24). Das Laufen machte hier so richtig Spaß. Aber man musste sich aufgrund des rauhen und teilweise ausgespültem Schotterweg gut konzentrieren. Ich lief in lockerem, noch leicht erholsamen Pace. Seltsamerweise wurde ich hier kaum überholt, sondern überholte meist selber…
Beim kleinen Ahornboden war von der wohl schönen Aussicht leider nicht viel zu sehen. Immer noch Regen. Mal stärker, mal weniger stark… Ich ertränkte das aufkeimende Hungergefühl wieder in Hollersaft. Und nahm eine Salztablette. Auf die trockenen Riegel hatte ich nicht so recht Lust.
Ein Fehler, den ich beim Aufstieg zur Falkenhütte (1.848 m, ca. km 28/29 km) etwas büßen musste. Mir fehlte ein wenig die Kraft in den Beinen. So dass mein Wanderschritt langsamer war, als ich von mir gewohnt war. Klatschnass und aufgrund der fehlenden Geschwindigkeit nun auch entsprechend durchgefroren kam ich bei der Falkenhütte an. Wenigstens hatte es nun aufgehört zu regnen.
Daher entschloss ich mich, in der Hütte meine trockenen Wechselklamotten (in Tüten verpackt blieben sie auch im nassen Laufrucksack schön trocken) anzuziehen. Das war nicht so einfach. Denn zum einen wollte ich auf gar keinen Fall aus meinen nassen Schuhen raus (ich hätte danach nicht mehr reingewollt, außerdem spürte ich schon eine Blase an der linken Ferse) und zum anderen sind enge Lauftights gar nicht so einfach anzuziehen, wenn die Haut noch so richtig nass ist und man keine Handtuch hat. Kaum wieder draußen an der Labestation kam ein Regenschauer, der es in sich hatte: starker Platzregen. Ich entschloss mich, den Lauf erst nach dem Schauer fort zu setzen. Schließlich hatte ich mich ja gerade erst trocken gelegt! Ich würgte einen halben Riegel herunter (und spülte mit ordentlich Hollersaft und Wasser nach). Nach ca. 15 Minuten Warten, ging der Platzregen dann endlich in „nur noch“ kräftigen Regen über-. Ich entschloss mich, die Regenjacke an zu ziehen endlich weiter zu laufen. Es ging auf ca. 1km rd. 164 m runter. Ein schöner steiniger Trail. Vor meinem Wander- Und Trail-Training der letzten Monate hätte ich mich hier höchstens langsam gehend herunter getraut. Heute machte das herunter laufen sogar Spaß. Der Regen machte nach ca. 500 m wieder Pause und in der Regenjacke wurde es zu warm. Also wieder mal Stopp und Jacke zurück in den Rucksack gestopft Der hinter mir kommende Läufer lästerte schon gutmütig:“Wie – schon wieder umziehen??? Nunja. Das Umziehen hätte ich mir sparen können. Es kamen noch einige kräftige Regenschauer und ich war dann genauso triefend nass wie vor der Umzieh-Aktion. Die 1/2 Stunde Trödelei auf der Falkenhütte hätte ich mir somit auch sparen können.) Danach ging es weiter. Dann noch ein kurzer knackiger Anstieg (121 Höhenmeter auf rd. 900 Metern), dann kam der rd. 3 km lange Abstieg zur Eng (1.227 m, km 35). Es war rutschig und matschig und teilweise war der Weg unter dem herablaufenden Regenwasser nicht zu sehen. Aber noch konnte ich laufen (wenn auch langsam). Allerdings setzte es mich einmal unfreiwillig auf den Hintern.
Unten in der Eng begrüßte mich Lisa’s Mann, der netterweise auch noch auf mich gewartet hatte. Die Lisa war hier nach seinen Angaben schon seit ca. 15-20 Minuten durchgekommen. Hier gab es dann auch mal etwas Laktosefreies für mich: leckere heisse Gemüsesuppe.
Ach so: Und es regnete nicht mehr. Es kam sogar die Sonne heraus!!!!!
Nach einem kurzen „Pläuschchen“ ging es dann weiter zum letzten harten Anstieg. Meine Knöchel (Muskeln und Sehnen um die Knöchel herum) schmerzten etwas, aber nach einer Weile lief sich der Schmerz wieder raus. Erst rd. 2 km (?) bis zu Binsalm (1.502 m), dann weiter bis zum Gramai Hochleger (1.756 m). Dieses letzte Stück ging auf steilem schmalen Trampelpfad bergan.
Hier bekam ich zu spüren, dass ½ Riegel und ein Becher Gemüsebrühe wohl doch etwas wenig ist und ich sah ein, dass ich unbedingt einen ganzen Riegel essen sollte. Irgendwie würgte ich diesen dann in kleinen Bissen auf dem Weg nach oben mit Hilfe von viel Wasser herunter. Das letzte Stück hatte es dann in sich. Es war sehr steil und auch recht rutschig. Immer wieder rutschte ich mit dem abtsoßenden Bein durch….
Hier wurde ich von einigen strammen Wanderern überholt. Endlich oben angelangt, hatte man einen wahnsinnig schönen Ausblick! Das Karwendel zeigte sich hier (und sogar mit Sonnenschein!) von seiner schönsten Seite und belohnte einen für die Strapazen.
Dann ging es auf sehr rutschig-matschigen Tramplern steil bergab. Hier machte sich die bisherige Anstrengung deutlich bemerkbar: Meine Knie (Muskeln und Sehnen rechts und links sowie hinter dem Knie) taten plötzlich höllisch weh. So kam ich nur sehr langsam voran. Selbst als irgendwann die Trampler wieder etwas begehbarer und auch etwas weniger steil wurden, konnte ich aufgrund der Schmerzen leider nicht mehr laufen, sondern nur noch langsam bergab wandern. Sehr langsam. Hier wurde ich ständig von Wanderern des Karwendelmarsches überholt, die ich hier um ihre Stöcke etwas beneidete. Einige von ihnen liefen sogar anstatt zu Gehen. (Neid!!!!).
Irgendwann hatte ich dann die Gramaialm (1.263 m) bei ca. km 43 erreicht. Und ich musste dringend die Toilette aufsuchen und dem vielen Hollersaft und Wasser Tribut zollen.
Dann lief es wieder etwas besser, aber noch immer wegen der Knie-Schmerzen war ich zuerst Wandernd, dann sogar wieder langsam Laufend weiter bis zur Falzturn-Alm (1.098 m, ca. km 46) unterwegs. Hier musste ich schon wieder auf die Toilette! Das kommt davon, wenn man zu viel trinkt und so langsam ist, dass man das Wasser nicht mehr ausreichend heraus schwitzt!!!!
Danach konnte ich die letzten 6 km wieder laufend bis zum Ziel in Pertisau (932m) zurücklegen. Es ging hier, von ein paar wenigen geringfügigen Bodenwellen abgesehen, durchgehend leicht begab. Die letzen paar km auf geteertem Weg. Auf diesen letzten 6 km konnte ich dann alle (?) Wanderer, die mich zuvor ab der Eng überholt hatten wieder ein- und überholen. Wir kannten und grüßten uns sogar noch gegenseitig. Einige Wanderer feuerten mich hier sogar noch an.
Der Zieleinlauf zögerte sich etwas hinaus. Der Ort musste erst noch durchquert werden. Das war etwas zäh. Dafür war der Zieleinlauf nach 10:18 h dann umso schöner!!!

Nach einer Dusche fühlte ich mich (von den steifen Beinen einmal abgesehen) wieder fast wie ein neuer Mensch. Und der Braten mit Sauerkraut schmeckte herrlich!!!!
Dann brach ein richtig dolles Gewitter herein. Die armen Wanderer, die hier noch auf der Strecke waren! Einige berichteten noch von dicken Hagelkörnern!
Wir nahmen dann – mal wieder völlig durchnässt - den nächsten Bus gen Scharnitz -.
Hier gab es auf dem Zimmer noch mal eine richtig heiße Dusche und dann kehrten wir bei der rd. 200m entfernten Pizzeria ein.
Heute (Sonntag, den 26.08.) schmerzten die Knie nach dem Aufstehen wieder fürchterlich. Das wurde dann aber zunehmend besser. Die lange Heimfahrt brachte wieder eine kleine Verschlechterung, aber seit dem kurzen Spaziergang mit unserem Hund blieb fast nur noch der sich nun bemerkbar machende Muskelkater in den Oberschenkeln und den Pobacken übrig.

Ein dickes Lob an die vielen Helfer und die Organisation den Karwendelmarsches. Alle Leute waren super nett und die Bergwacht war an den steilsten Stücken stets präsent.

Und die Landschaft war trotz des Wetters wunderschön. Ich konnte mich gar nicht daran statt sehen.

Ich weiß jetzt, woran ich noch arbeiten muss, damit auch der letzte steile Abstieg mehr Vergnügen als Anstrengung wird.
Und was sich schon nach unserem Wanderurlaub im Juli (natürlich in Scharnitz) abgezeichnet hat, wurde hier noch einmal verstärkt: Ich glaube ich bin verliebt. Verliebt in das Karwendelgebirge!
Volker und ich haben daher beschlossen, nächstes Jahr wieder dabei zu sein, beim Karwendellauf.
Und schließlich braucht man ja einen direkten Vergleich, um den Trainingserfolg zu testen, oder?

Ach so: Heute habe ich nur noch leichten Muskelkater in den Oberschenkeln und den Pobacken.


Gruß Carmen

zuletzt bearbeitet 27.08.2012 12:43 | nach oben

#2

RE: Karwendelmarsch 2012 (Lauf über 52km)

in Rennberichte 27.08.2012 14:16
von TriTo • 1.287 Beiträge

Glückwunsch zum Finish!!

...und Deinen Mann legst Du Dir beim nächsten Mal parat :-)

....und Dein MüsliStangenRezept würde mich interessieren :-))))


...nice to read you...

Greetz TriTo

....life's a trail!

nach oben

#3

RE: Karwendelmarsch 2012 (Lauf über 52km)

in Rennberichte 27.08.2012 15:20
von zanshin • 100 Beiträge

:-))))

Zitat von TriTo im Beitrag #2
....und Dein MüsliStangenRezept würde mich interessieren :-))))


Kein Problem - hier das Rezept:

- Trockenobst (Datteln, Feigen und Cranberries oder Cranberries, Rosinen und Kirschen) per Küchenmaschine "kleingehäckselt".
- etwas (Bio-)Sojamilch
- etwas Rapskernöl
- ein wenig Salz
- etwas Ahornsirup (Menge je nach Geschmack)
- etwas Agavensirup (Menge je nach Geschmack)
- Hirseflocken
- Hirse in Salzwasser aufgekocht/aufgequollen
- gepuffter Reis
- Cornflakes (ggf. glutenfrei)

Das ganz gut vermengen/durchkneten bis es eine zäh-breiige/teigige Konsistenz hat.
Backpapier auf ein Backbelch geben und die Masse mit den Händen dort ca. daumendick ausbreiten.
Dann für 30 Minuten bei 150°C backen.

Auskühlen lassen und dann in kleine /Müsliriegel-große Stücke schneiden.
Werde das nächste Mal noch etwas Apfelbrei druntermischen. Dann bleiben sie garantiert etwas saftiger.

Habe mir die Riegel für den Lauf in einen Zipper-Beutel verpackt.


Gruß Carmen

nach oben

#4

RE: Karwendelmarsch 2012 (Lauf über 52km)

in Rennberichte 27.08.2012 20:52
von kopfwunde • 66 Beiträge

Hallo, erstmal Glückwunsch zum erfolgreichem Zieleinlauf ;-).

Leider konnte ich nicht an dieser tollen Verantstaltung teilnehmen, da ich meinen Urlaub am Achensee um eine Woche verschieben musste.

Nun wird der Lauf halt nächste oder übernächste Woche bei passenden Wetter alleine nachgeholt. Eigentlich bin ich froh, das ich nicht bei so einem Wetter laufen mußte ;-).

Allerdings will/muß ich von Pertisau loslaufen da sicher so früh kein Bus nach Scharnitz fährt. Meine Frau muß mich dann dort abholen.

Nun meine Frage, praktisch dürfte die Richtung eigentlich egal sein oder gibt es aus deiner Sicht etwas gegen meine geplante Richtung? Sollte mich meine Frau also lieber früh nach Scharnitz bringen und dann gemütlich am Achensee auf mich warten.

Wäre für einen Hinweis dankbar.

Gruß aus Berlin

nach oben

#5

RE: Karwendelmarsch 2012 (Lauf über 52km)

in Rennberichte 27.08.2012 21:02
von __Stefan__ • 288 Beiträge

Ist eigentlich egal. Man hat eh einen relativ hohen Anteil an Forstwegen, ist aber bei der grandiosen Landschaft egal. Da hinten ist es schon einzigartig, wobei ich es eher von Skitouren und MTB kenne.

Achensee ist bestimmt interessanter zum warten, Scharnitz hat doch eher den Charme einer Durchgangsstraße. Also ich würde es von Scharnitz aus laufen.

nach oben

#6

RE: Karwendelmarsch 2012 (Lauf über 52km)

in Rennberichte 27.08.2012 22:32
von zanshin • 100 Beiträge

Da der letzte Anstieg auch der schwerste war, dürfte die Strecke anders herum sogar einfacher sein.

Bei marathon 4you sind schon viele tolle Bilder eingestellt. Da bekommst Du einen kleinen Eindruck über die Beschaffenheit der Forstwege und der Trails, die m.E. teilweise ganz schön anspruchsvoll waren.

http://www.marathon4you.de/laufberichte/...-karwendel/1846


Gruß Carmen

nach oben

#7

RE: Karwendelmarsch 2012 (Lauf über 52km)

in Rennberichte 28.08.2012 18:49
von kopfwunde • 66 Beiträge

danke für die Hinweise, die Bilder sind teilweise wirklich gut, jedenfalls besser als das Wetter ;-). Zum Glück habe ich ja da 14 Tage lang etwas Spielraum, da wird sicher ein sonniger Tag im Sept. dabei sein.

Gruß aus Berlin

nach oben


Besucher
1 Mitglied und 22 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Biene2
Forum Statistiken
Das Forum hat 3169 Themen und 31532 Beiträge.


disconnected Foren-Chat Mitglieder Online 1
Xobor Forum Software von Xobor