#1

1.Ultra Trail Mellerdall ( LUX )

in Rennberichte 28.12.2012 13:28
von umweg • 63 Beiträge

Einmal über 100km, bis vor ein paar Monaten noch undenkbar. Nach zwei Trail-Läufen im Frühjahr über 50km, wagte ich mich beim Zugspitzsupertrail zunächst mal an die 68km Strecke. Jeder mit dem ich mich vorher unterhielt meinte ich soll doch gleich den großen machen. Nach fast 13 Stunden im Ziel waren da komischerweise irgendwie noch Körner im Tank, so das ich mich fast ein wenig ärgerte, das ich bei der Abschlussveranstaltung am Sonntag „nur“ das Supertrail Finisher Shirt trug. Hier wurde auch die Idee geboren noch in diesem Jahr den Versuch zu starten über 100km an den Start zu gehen. Als Laufkalender zur suche für dieses Projekt nutzte ich die Liste der Quali Läufe für den UTMB, weil wenn 100km sollte es schon ein Traillauf werden. Der 1.Ultratrail Mellerdall in Luxemburg über 114km und 2300hm hörte sich da doch ganz gut an. Mit einer max. Teilnehmerzahl von 120 musste ich allerdings schnell handeln und entschied mich zur Anmeldung. Das Zeitlimit von 24 Stunden schien mir auch ausreichend zu sein, wobei ich dies auf keinem Fall voll ausschöpfen wollte, sondern mir eine Zeit irgendwo zwischen 18 und 20 Stunden vorgenommen hatte.
Am 21. September war es dann endlich so weit und ich fuhr Richtung Luxemburg, wo in der Jugendherberge des kleinen Grenzstädtchens Echternach die gesamte Organisation und auch der Start.- Zielbereich vorzufinden waren. Bequemerweise konnte man bei der Anmeldung auch noch eine günstige Übernachtung, praktisch direkt an der Startlinie hinzu buchen und am Vorabend bei Pasta den Abend ausklingen lassen.
Am nächsten morgen ertönte bei optimalen äußeren Bedingungen nach kurzem Briefing pünktlich um 7 Uhr der Startpfiff und 102 Läuferinnen und Läufer machten sich auf die im Trailbook beschriebene 114 km lange Strecke . Hierbei handelte es sich ausnahmslos um die 3 Markierten Routen des dauerhaft ausgeschilderten Mullerthal Trails. Lediglich der Weg vom und zum Start.- Zielbereich wich der offiziellen Streckenbeschilderung ab. Bereits nach wenigen Kilometern war man in einer Landschaft angekommen, die ich so in Luxemburg nie erwartet hätte. Über teils große Steintreppen und reinen Fels ging es durch Schluchten die der Region wohl zurecht den Beinamen „Luxemburgische Schweiz“ eingebracht haben. Beflügelt durch die Eindrücke der Umgebung und die traumhafte Streckenführung verging die Zeit bis zur 1. Verpflegung bei km 15 wie im Flug. Ab hier sah man eigentlich bis ins Ziel immer wieder die selben Gesichter und man spürte wieder das gewisse etwas, welches ich erst seit kurzem kenne, nämlich das es beim Trail-Running eher wie in einer kleinen Familie zugeht. Schloß Beautfort war das nächste Highlight der Strecke. Von hier aus ging es immer weiter dem roten „M“ folgend Richtung Larochette, wo der 2. Verpflegungsposten wartete. Bis hier hatte man bereits 36km absolviert und traf nun auf den zunächst Abenteurlichsten Wegabschnitt. Forstarbeiter fällten hier scheinbar wenige Tage vor der Veranstaltung den halben Wald und es waren Kletter und Kriechübungen gefragt um die folgenden 200m des komplett versperrten Weges zu überwinden. Belohnt wurde man dann mit einem etwas flüssigeren Streckenabschnitt, auf dem es an den Fersen einer Gruppe Belgier leicht abfallend, teilweise einem Wildbach folgend nach Schiessentümpel ging. Hier bei der 3. Verpflegung konnte man auch einen DropBag deponieren um bei inzwischen km52 auf das ein oder andere Ausrüstungsteil zurückzugreifen. Die nächsten 21km hatten es noch mal richtig in sich. Direkt nach der Verpflegung stieg der Trail steil an und man war wieder in recht felsiger Umgebung bzw wenig später vollkommen im Berg verschwunden. Der dezente Hinweis „Taschenlampe bereithalten“ im Trail Book wurde zunächst nicht ganz ernst genommen. Nach kurzer Erkundung stand aber fest, dass der weitere Weg direkt durch das schmale dunkle Loch im Fels führt und ein Ende des „Tunnels“ zunächst nicht in Sicht war. Um 2 Ecken und mit Licht waren die ca. 50m leicht zu absolvieren und das Tageslicht hatte einen wieder. Der ein oder andere fragende Blick und auch die mittlerweile wohl häufigste Frage : Hast du in der letzten Zeit ein „M“ gesehen, erübrigten sich eigentlich, denn falls an einer Fragwürdigen Abzweigung der weitere Weg jemals unklar war, ging es im Zweifelsfall bergauf weiter. Da kam der Downhill zum 4.Verpflegungspfosten, der sich am Bahnhof von Echternach befand gerade recht. Im Licht der Untergehenden Sonne konnte man hier am Sauerufer noch einmal Kraft tanken bevor man sich auf den 17km langen Weg Richtung Born machte, auf welchem zumindest ab der Mitte des Teilnehmerfeldes auf die Stirnlampe zurückgegriffen werden musste. Nach 12 Stunden war es nun auch Zeit eine persönliche Zwischenbilanz zu ziehen. Zwischen 70 und 80 km wollte ich nach dieser Zeit geschafft haben, um dann langsam aber sicher die restlichen km in Angriff zu nehmen. Mit 75 km lag ich voll im soll und die Beine meldeten sich eigentlich auch noch nicht so richtig, doch war es recht angenehm, in diesem Abschnitt überwiegend auf relativ befestigten Wegen zu laufen. Diese 1.Route des Müllerthal Trail hatte den gefühlt geringsten Waldanteil und man hätte im hellen sicher eine schöne Blick über die Umgebung gehabt, doch diesen Teil im dunklen zu laufen war von daher angenehm, da man durch die Aussicht nicht abgelenkt war und man sich voll und ganz auf die Streckenmarkierung konzentrieren konnte. Von weitem waren schon die Fackeln und das wärmende Feuer des letzten VP bei km 90 zu erkennen. Wie auch an allen anderen Stationen wurde man hier gewohnt nett empfangen und wollte am liebsten das lodernde Feuer nicht mehr verlassen. Noch 24km lagen vor uns und die Nacht und der Trail hatten uns wieder. Abwechselnd Singletrails und Fahrbare Wege führten die Teilnehmer nun durch die Dörfchen Mompach und Herborn, aber zumeist durch wieder Waldreicheres Gebiete Richtung Ziel in Echternach. Knicklichter sollten uns hier den Weg zur Jugendherberge signalisieren, die jedoch nur noch leicht glimmend an den Laternen befestigt waren. Adäquat wurden diese kurzfristig durch Kreidelinien auf der Straße ersetzt, so das zumindest hier jeder auf dem rechten Weg zur Ziellinie geführt wurde. Nach 18Stunden 40 erreichte ich ca.7 Stunden nach dem Sieger, aber noch über 5 Stunden vor Zielschluss die Tür zur wärmenden und stärkenden Suppe. Mit Position 46 von insgesamt 80 Finishern konnte ich gut leben und nach einem isotonischen Gerstengetränk und einer warmen Dusche ging´s dann rasch in die Federn, bevor am nächsten morgen die Heimreise angetreten wurde. Nach dem Frühstück konnte ich mich noch kurz mit dem Organisator unterhalten und auch recht herzlich für die gelungene Premiere und die entgegengebrachte Gastfreundschaft bedanken.

Übrigens bin ich erst vor einem Jahr zum Trail-Running gekommen, als ich beim Keep on Running in St Wendel auf eine bis dahin nur im Internet präsente Zeitschrift aufmerksam wurde. Die erste Printausgabe des „Trail Magazins“wurde hier präsentiert und wohl nicht nur ich durch den Trail Virus infiziert und durch so manchen Beitrag auch inspiriert.


Die geilste Strecke zwischen zwei Orten ist ein Trail

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#2

RE: 1.Ultra Trail Mellerdall ( LUX )

in Rennberichte 28.12.2012 15:30
von TheRob • 478 Beiträge

Danke für den Bericht. Liest sich toll und zeigt was unsere Leidenschaft ausmacht.


www.Trail-Challenge.de
Dein Trail - Deine Challenge

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#3

RE: 1.Ultra Trail Mellerdall ( LUX )

in Rennberichte 29.12.2012 14:13
von Neckarine • 790 Beiträge

Danke für den tollen Bericht!

Gab es denn im Rahmen dieser Veranstaltung auch kürzere Strecken?


Wer aufhört besser zu werden hat aufgehört gut zu sein (E. Mörike)

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#4

RE: 1.Ultra Trail Mellerdall ( LUX )

in Rennberichte 29.12.2012 15:03
von umweg • 63 Beiträge

@Neckarine
Es gab nur die eine Strecke.


Die geilste Strecke zwischen zwei Orten ist ein Trail

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#5

RE: 1.Ultra Trail Mellerdall ( LUX )

in Rennberichte 06.01.2013 23:06
von Der letzte Ritter • 32 Beiträge

Toller Beitrag, ich hab es bisher noch nicht hinbekommen einen zu schreiben. :)

Aber auf jeden Fall ist zu sagen, dass sich die Verantwortlichen viel Mühe gegeben haben und ein wirklich tolles Rennen aus dem Boden gestampft haben. Sehr zu empfehlen und wenn nichts dazwischen kommt, bin ich dieses Jahr wieder am Start!


Der Mann der keine Vorstellungskraft hat, hat keine Flügel.

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